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verletzungen:gewebe

Verletzungen des Gewebes durch Piercing und mechanische Belastung

Ein Piercing ist immer eine kontrollierte Verletzung von Haut und darunterliegenden Gewebeschichten.

Zusätzlich können im Verlauf weitere Gewebeverletzungen entstehen, zum Beispiel durch:

  • starkes Anstoßen,
  • Hängenbleiben,
  • Zug am Schmuck,
  • seitliche Hebelkräfte,
  • Druck,
  • ungünstige Schmucklänge,
  • Schmuckwechsel,
  • wiederholte mechanische Belastung.

Nicht jede solche Verletzung ist schwerwiegend.

Entscheidend sind:

  • Ausmaß,
  • Tiefe,
  • betroffene Gewebeschichten,
  • Blutung,
  • Schwellung,
  • Schmerzen,
  • Veränderung des Stichkanals.

Welche Gewebe können betroffen sein?

Je nach Piercingstelle können unter anderem verletzt werden:

  • Haut,
  • Unterhautgewebe,
  • Bindegewebe,
  • Schleimhaut,
  • Muskelgewebe,
  • Knorpel,
  • kleine Blutgefäße,
  • kleine Nervenäste.

Welche Strukturen tatsächlich betroffen sind, hängt stark von der jeweiligen Anatomie ab.

Typische mechanische Verletzungen

Zu den häufigeren mechanischen Problemen gehören:

  • oberflächliche Einrisse,
  • kleine Blutungen,
  • Druckstellen,
  • Quetschungen,
  • kleine Gewebedefekte,
  • Erweiterung des Stichkanals,
  • Einreißen an Ein- oder Austrittsstelle,
  • Veränderung des Stichwinkels.

Hängenbleiben am Schmuck

Ein Piercing kann beispielsweise hängenbleiben an:

  • Kleidung,
  • Handtüchern,
  • Haaren,
  • Bettwäsche,
  • Schmuck,
  • Kopfhörern,
  • Helmen.

Dabei kann eine plötzliche Zugkraft auf den Stichkanal wirken.

Mögliche Folgen sind:

  • Schmerzen,
  • Blutung,
  • Schwellung,
  • Einriss,
  • erneute Reizung,
  • Veränderung der Gewebebrücke.

Was passiert bei einem Einriss?

Bei einem Einriss wird Gewebe mechanisch auseinandergezogen oder teilweise durchtrennt.

Das kann oberflächlich sein oder tiefer reichen.

Mögliche Zeichen sind:

  • frische Blutung,
  • plötzlich stärkere Schmerzen,
  • sichtbare Erweiterung der Öffnung,
  • veränderte Position des Schmucks,
  • dünner gewordene Gewebebrücke.

Je nach Ausmaß kann ein Einriss die Stabilität des Piercings beeinträchtigen.

Druckverletzungen

Auch ohne sichtbaren Einriss kann Gewebe durch längeren Druck geschädigt werden.

Mögliche Ursachen sind:

  • zu kurzer Schmuck,
  • starke Schwellung,
  • Schlafdruck,
  • Helm,
  • enge Kleidung,
  • Schmuck, der dauerhaft gegen Gewebe drückt.

Druck kann zu:

  • Rötung,
  • Schwellung,
  • Druckschmerz,
  • Einsinken des Schmucks,
  • lokalen Gewebeschäden

führen.

Bei länger bestehendem starken Druck kann die Gewebestabilität abnehmen.

Quetschungen

Wird ein Piercing stark zusammengedrückt, kann das Gewebe gequetscht werden.

Dabei können gleichzeitig entstehen:

  • Schwellung,
  • Hämatom,
  • Schmerzen,
  • lokale Gewebeschädigung.

Siehe:

Hämatom

Kann sich der Stichkanal durch eine Verletzung verändern?

Ja.

Starke oder wiederholte mechanische Belastungen können dazu führen, dass sich:

  • der Stichwinkel verändert,
  • Ein- und Austrittsstelle verschieben,
  • die Gewebebrücke dünner wird,
  • der Schmuck oberflächlicher liegt.

Bei Knorpelpiercings kann daraus eine strukturelle Knorpelschädigung oder Migration entstehen.

Siehe:

Knorpelschädigung, Migration und Herauswachsen

Verletzung oder normale Reizung?

Eine einfache Reizung verursacht häufig:

  • leichte Rötung,
  • Schwellung,
  • Druckempfindlichkeit,
  • vermehrtes Wundsekret.

Bei einer echten mechanischen Verletzung können zusätzlich auftreten:

  • frische Blutung,
  • sichtbarer Einriss,
  • deutlich veränderte Öffnung,
  • starke Schmerzen unmittelbar nach einem Trauma,
  • sichtbare Veränderung des Stichkanals.

Siehe:

Reizung, mechanische Belastung und Schwellung

Was sollte nach einer mechanischen Verletzung beachtet werden?

Nach einem deutlichen Trauma sollte das Piercing zunächst möglichst wenig belastet werden.

Sinnvoll sind:

  • Ruhe,
  • Druck vermeiden,
  • weitere Zugbelastung vermeiden,
  • Schmuck nicht unnötig bewegen,
  • Blutung gegebenenfalls durch direkten Druck stillen,
  • Verlauf beobachten.

Die normale Reinigung sollte gewebeschonend erfolgen.

Siehe:

Piercing richtig reinigen

Schmuck nicht vorschnell entfernen

Nach einer Verletzung sollte der Schmuck nicht automatisch entfernt werden.

Entscheidend ist:

  • wie stark das Gewebe beschädigt ist,
  • ob der Schmuck noch sicher sitzt,
  • ob er einsinkt,
  • ob die Gewebebrücke stark eingerissen ist,
  • ob eine relevante Blutung besteht.

Bei stärkeren Verletzungen sollte die Situation fachkundig beurteilt werden.

Wann sollte fachkundig kontrolliert werden?

Eine Piercingkontrolle ist sinnvoll bei:

  • sichtbarem Einriss,
  • veränderter Schmuckposition,
  • dünner werdender Gewebebrücke,
  • wiederholtem Hängenbleiben,
  • deutlich zu langem oder zu kurzem Schmuck,
  • verändertem Stichwinkel.

Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?

Eine medizinische Beurteilung ist besonders wichtig bei:

  • tiefer oder größerer Gewebeverletzung,
  • starker oder anhaltender Blutung,
  • größerem Hämatom,
  • zunehmender Taubheit,
  • motorischen Beschwerden,
  • deutlichem Gewebeverlust,
  • starkem Schmerz,
  • zunehmender Schwellung,
  • deutlichen Infektionszeichen.

Bei stark auseinandergerissenem Gewebe kann eine chirurgische Beurteilung notwendig sein.

Was sollte nicht gemacht werden?

Nicht sinnvoll sind:

  • starkes Ziehen am Schmuck,
  • wiederholtes Testen der Stabilität,
  • gewaltsames Zurückschieben,
  • trockenes Aufreißen von Krusten,
  • eigenständiges Nähen oder Kleben,
  • Manipulation mit Werkzeugen.

Zusätzliche mechanische Belastung kann die Verletzung vergrößern.

Der wichtigste Grundsatz

Mechanische Verletzungen können sehr unterschiedlich schwer sein.

Entscheidend ist nicht nur die aktuelle Rötung oder Schwellung, sondern:

Ist die Struktur des Piercings noch stabil?

Besonders wichtig sind:

  • Gewebedicke,
  • Position des Stichkanals,
  • Stabilität des Schmucks,
  • Ausmaß eines Einrisses,
  • Entwicklung der Beschwerden.

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