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Silbernitrat bei Piercings und Hypergranulation
Silbernitrat:
AgNO₃
ist eine stark gewebereaktive Silberverbindung.
Im medizinischen Bereich wird Silbernitrat zur:
chemischen Kauterisation
eingesetzt.
Im Zusammenhang mit Piercings ist dies insbesondere bei:
überschießendem Granulationsgewebe beziehungsweise Hypergranulation
relevant.
Silbernitrat kann das überschießende Gewebe gezielt chemisch schädigen und dadurch reduzieren.
Es ist jedoch:
kein allgemeines Piercingpflegeprodukt.
Vor einer Anwendung muss zunächst geklärt werden, ob tatsächlich Hypergranulation vorliegt und welche Ursache die Gewebeveränderung hat.
Was ist Hypergranulation?
Granulationsgewebe gehört grundsätzlich zur normalen Wundheilung.
Bei einer Hypergranulation wächst dieses Gewebe jedoch:
über das Niveau der Wundoberfläche hinaus.
Typisch kann das Gewebe sein:
- weich,
- feucht,
- hellrot bis dunkelrot,
- stark durchblutet,
- leicht verletzlich,
- leicht blutend.
Siehe:
Wie wirkt Silbernitrat?
Silbernitrat besitzt in ausreichender Konzentration eine:
kauterisierende beziehungsweise ätzende Wirkung.
Silberionen reagieren mit Bestandteilen des Gewebes.
Dabei kommt es insbesondere zu:
- Proteinveränderung,
- Koagulation oberflächlicher Gewebestrukturen,
- chemischer Schädigung behandelter Zellen.
Das behandelte überschießende Granulationsgewebe wird dadurch:
oberflächlich zerstört beziehungsweise koaguliert.
Was geschieht nach der Behandlung?
Das behandelte Gewebe kann sich:
- grau,
- braun,
- dunkelbraun,
- schwarz
verfärben.
Diese Verfärbung gehört zur chemischen Reaktion des Silbernitrats.
Anschließend kann das behandelte Gewebe über mehrere Tage:
- eintrocknen,
- schrumpfen,
- abgestoßen werden.
Eine dunkle Verfärbung unmittelbar nach einer Silbernitratbehandlung bedeutet deshalb nicht automatisch:
- bakterielle Infektion,
- fortschreitende gefährliche Nekrose.
Silbernitrat wirkt nicht selektiv
Silbernitrat kann nicht zwischen:
unerwünschter Hypergranulation
und:
gesundem Heilungsgewebe
unterscheiden.
Auch gesunde angrenzende Haut beziehungsweise Wundoberfläche kann chemisch geschädigt werden.
Deshalb gilt:
Je kleiner die zu behandelnde Gewebestelle, desto wichtiger ist eine möglichst kleine und präzise Kontaktfläche des Applikators.
Drei gebräuchliche Varianten
Für die gezielte Behandlung kommen unter anderem folgende Varianten infrage:
dünnes SILVERIN Silbernitrat-Kaliumnitrat-Ätzstäbchen 50 %
Avoca Caustic Pencil rot 40 %
Avoca Caustic Pencil blau 95 %
Diese Produkte unterscheiden sich nicht nur durch ihre:
Silbernitratkonzentration
sondern auch durch:
- Größe der Applikationsspitze,
- Präzision,
- Intensität der Kauterisation,
- Wiederverwendbarkeit.
Welche Variante hat die kleinste Kontaktfläche?
Von diesen drei Varianten besitzt das:
dünne 115-mm-SILVERIN-Ätzstäbchen
die kleinste und präziseste feste Applikationsfläche.
Der Wirkstoff befindet sich auf einem kleinen runden Kopf am Ende des dünnen Stäbchens.
Dadurch kann bei sehr kleinen Gewebeveränderungen gezielter gearbeitet werden.
Die Avoca-Pencils besitzen dagegen:
eine deutlich größere massive Spitze.
Bei sehr kleinen Hypergranulationen kann eine größere Kontaktfläche leichter auch:
angrenzendes gesundes Gewebe
erreichen.
Wichtig: Kontaktfläche ist nicht dasselbe wie Konzentration
Die Größe der Spitze und die Konzentration des Silbernitrats müssen getrennt betrachtet werden.
Beispiel:
SILVERIN 50 %
→ höhere Konzentration als Avoca rot 40 %, aber kleinere Kontaktfläche.
Avoca rot 40 %
→ niedrigere Konzentration, aber größere Applikationsfläche.
Avoca blau 95 %
→ große Applikationsfläche und gleichzeitig sehr hohe Silbernitratkonzentration.
Deshalb ist der 95%-Stift nicht automatisch:
die beste Wahl für eine kleine Piercing-Hypergranulation.
Die tatsächlich behandelte Fläche kann größer als die Spitze sein
Silbernitrat wird durch Feuchtigkeit aktiviert.
Wird zu viel Wasser verwendet, kann sich Wirkstofflösung über die eigentliche Kontaktstelle hinaus verteilen.
Dadurch kann die chemisch behandelte Fläche:
größer als die sichtbare Spitze
werden.
Gerade bei kleinen Gewebeveränderungen ist deshalb eine:
sparsame und kontrollierte Befeuchtung
wichtig.
Variante 1: SILVERIN 115-mm-Ätzstäbchen 50 %
Das SILVERIN-Ätzstäbchen enthält im Wirkstoffkopf:
50 % Silbernitrat
und:
50 % Kaliumnitrat.
Das Kaliumnitrat dient als Verdünnungskomponente und mildert die Reaktion gegenüber reinem beziehungsweise sehr hoch konzentriertem Silbernitrat.
Der Wirkstoff befindet sich auf einem kleinen:
runden Applikatorkopf.
Vorteile des dünnen 50%-Ätzstäbchens
Besonders bei kleinen Piercing-Hypergranulationen besitzt das dünne Stäbchen wesentliche Vorteile:
- kleinste Kontaktfläche der drei beschriebenen Varianten,
- sehr präzise punktuelle Anwendung,
- gute Kontrolle unmittelbar neben Schmuck,
- geringeres Risiko, unnötig große gesunde Flächen zu berühren,
- hygienisches Einmalprodukt,
- keine patientenbezogene Lagerung nach Gebrauch erforderlich.
Für sehr kleine Gewebeveränderungen ist diese Bauform deshalb häufig:
am präzisesten steuerbar.
Nachteile des dünnen Ätzstäbchens
Nachteile sind:
- nur einmal verwendbar,
- für jeden neuen Behandlungstermin ist ein neues Stäbchen erforderlich,
- relativ geringe Wirkstoffmenge,
- bei größeren Flächen weniger praktisch.
Wann ist das dünne Stäbchen besonders sinnvoll?
Das dünne Stäbchen eignet sich besonders, wenn:
- die Hypergranulation nur wenige Millimeter groß ist,
- sie unmittelbar neben dem Schmuck liegt,
- gesundes umliegendes Gewebe möglichst geschont werden soll,
- eine sehr punktuelle Behandlung notwendig ist.
Gerade am Piercing ist dies häufig die:
kontrollierteste Variante.
Anwendung des SILVERIN-Stäbchens
Der Wirkstoffkopf wird kurz mit:
Wasser
befeuchtet.
Anschließend wird die zu behandelnde Stelle:
punktgenau betupft beziehungsweise bestrichen.
Dabei sollte:
- kein unnötiger Druck ausgeübt werden,
- ausschließlich das überschießende Gewebe behandelt werden,
- ein Kontakt mit gesundem Gewebe möglichst vermieden werden.
Wie oft wird das SILVERIN-Stäbchen angewendet?
Nach Herstellerangabe kann die Behandlung bei Bedarf:
alle 2–3 Tage
wiederholt werden.
Dabei muss zwischen den Anwendungen zunächst die:
Gewebereaktion
abgewartet werden.
Zu häufiges Wiederholen ohne abzuwarten kann zu:
- Reizung,
- entzündlicher Reaktion,
- unnötiger Gewebeschädigung
führen.
Einmalprodukt
Das SILVERIN-Stäbchen ist:
nur für eine Anwendung vorgesehen.
Nach Gebrauch wird es entsorgt.
Ein bereits verwendetes Stäbchen sollte nicht:
- getrocknet,
- aufbewahrt,
- bei derselben Person erneut benutzt
werden.
Variante 2: Avoca Caustic Pencil rot 40 %
Der rote Avoca Caustic Pencil enthält:
40 % Silbernitrat.
Als weiterer Bestandteil ist:
Kaliumnitrat
enthalten.
Die Silbernitratkonzentration ist geringer als beim 50%-SILVERIN-Stäbchen und deutlich geringer als beim blauen 95%-Avoca-Stift.
Kontaktfläche des roten Avoca-Stiftes
Die Applikatorspitze des roten Avoca-Pencils ist:
deutlich größer als der Wirkstoffkopf des dünnen SILVERIN-Stäbchens.
Dadurch kann beim direkten Kontakt eine größere Gewebefläche erreicht werden.
Bei größeren Hypergranulationen kann dies praktisch sein.
Bei sehr kleinen Veränderungen besteht dagegen ein größeres Risiko, gleichzeitig:
gesundes Nachbargewebe
zu behandeln.
Vorteile des roten Avoca-Stiftes
Vorteile sind:
- geringere Silbernitratkonzentration als beim blauen 95%-Stift,
- größere Spitze für etwas größere Behandlungsflächen,
- mehrfach bei derselben Person verwendbar,
- wirtschaftlich bei wiederholten Behandlungen.
Nachteile des roten Avoca-Stiftes
Nachteile sind:
- größere Kontaktfläche,
- bei kleinen Piercingbefunden weniger präzise als das dünne Stäbchen,
- patientenbezogene Aufbewahrung erforderlich,
- darf nicht zwischen verschiedenen Kunden verwendet werden,
- größere Gefahr, angrenzendes gesundes Gewebe zu erreichen.
Wann kann der rote 40%-Stift sinnvoll sein?
Der rote Avoca-Stift kann eher sinnvoll sein, wenn:
- die Hypergranulation etwas größerflächiger ist,
- eine geringere Silbernitratkonzentration gewünscht wird,
- mehrere Behandlungen bei derselben Person absehbar sind.
Bei einer sehr kleinen punktförmigen Hypergranulation ist das dünne Einmalstäbchen häufig:
präziser.
Variante 3: Avoca Caustic Pencil blau 95 %
Der blaue Avoca Caustic Pencil enthält:
95 % Silbernitrat.
Damit besitzt er eine sehr hohe Silbernitratkonzentration.
Seine Wirkung ist entsprechend:
deutlich stärker kauterisierend.
Kontaktfläche des blauen Avoca-Stiftes
Auch der blaue Avoca-Pencil besitzt eine:
deutlich größere Spitze als das dünne SILVERIN-Stäbchen.
Damit treffen bei diesem Produkt zwei Faktoren zusammen:
- größere Kontaktfläche,
- sehr hohe Silbernitratkonzentration.
Bei sehr kleinen Gewebeveränderungen erhöht dies die Anforderungen an eine:
extrem präzise Anwendung.
Vorteile des blauen Avoca-Stiftes
Vorteile können sein:
- sehr starke Kauterisationswirkung,
- größere Wirkstoffmenge,
- mehrfach bei derselben Person verwendbar,
- geeignet, wenn eine stärkere oberflächliche Kauterisation medizinisch erforderlich ist.
Nachteile des blauen Avoca-Stiftes
Nachteile sind insbesondere:
- sehr hohe Silbernitratkonzentration,
- größere Kontaktfläche,
- erhöhtes Risiko für gesundes umliegendes Gewebe,
- bei sehr kleinen Piercing-Hypergranulationen schwieriger kontrollierbar,
- stärkere Überbehandlung möglich.
Wann ist der blaue 95%-Stift sinnvoll?
Ein 95%-Stift ist nicht deshalb vorzuziehen, weil er:
„stärker“
ist.
Er kommt eher dann infrage, wenn:
- eine ausgeprägtere Gewebemenge vorliegt,
- eine stärkere Kauterisation tatsächlich erforderlich ist,
- die behandelte Fläche ausreichend klar begrenzt werden kann.
Für eine sehr kleine Hypergranulation unmittelbar neben einem Piercingkanal ist ein großer hochkonzentrierter Stift häufig:
nicht die feinste beziehungsweise kontrollierteste Option.
Vergleich der drei Varianten
| Eigenschaft | SILVERIN 50 % 115 mm | Avoca rot 40 % | Avoca blau 95 % |
|---|---|---|---|
| Silbernitrat | 50 % | 40 % | 95 % |
| Kontaktfläche der Spitze | am kleinsten | größer | größer |
| Präzision bei sehr kleinen Stellen | sehr hoch | geringer | geringer |
| Ätzwirkung | mittel | geringer | sehr stark |
| Risiko für umliegendes Gewebe | vergleichsweise besser kontrollierbar | abhängig von Kontaktfläche | am kritischsten bei Überbehandlung |
| Wiederverwendbar | nein | ja, gleiche Person | ja, gleiche Person |
| geeignet für sehr kleine punktförmige Hypergranulation | besonders geeignet | möglich | nur sehr kontrolliert |
| geeignet für größere Fläche | begrenzt | besser | stärker wirksam |
| patientenbezogene Aufbewahrung nötig | nein | ja | ja |
Entscheidung nach Größe der Hypergranulation
Eine einfache praktische Orientierung kann sein:
Sehr kleine punktförmige Hypergranulation
→ dünnes 50%-SILVERIN-Stäbchen.
Grund:
kleinste Kontaktfläche und höchste Punktgenauigkeit.
Kleine bis etwas größere flächige Hypergranulation
→ roter Avoca-Stift 40 % kann eine Option sein.
Grund:
größere Kontaktfläche bei geringerer Silbernitratkonzentration.
Ausgeprägtere Gewebeveränderung mit notwendiger stärkerer Kauterisation
→ blauer Avoca-Stift 95 % nur bei entsprechender Indikation und hoher Anwendungskontrolle.
Grund:
sehr hohe Konzentration und größere Kontaktfläche.
Nicht nur nach Stärke auswählen
Die Auswahl sollte nicht nach dem Prinzip erfolgen:
„Je mehr Silbernitrat, desto besser.“
Entscheidend sind:
- Größe der Hypergranulation,
- Lage zum Schmuck,
- Abstand zu gesunder Haut,
- Gewebedicke,
- notwendige Kauterisationsintensität.
Bei kleinen Piercingveränderungen kann:
Präzision wichtiger sein als maximale Wirkstoffkonzentration.
Anwendung der Avoca-Stifte
Die Avoca-Spitze wird mit einer kleinen Menge:
sauberen Wassers
aktiviert.
Nach Herstellerinformation wird die Spitze für kurze Zeit in einen einzelnen Tropfen Wasser gebracht.
Dabei entsteht eine kleine Menge wirkstoffhaltiger Flüssigkeit.
Diese wird anschließend auf die zu behandelnde Stelle übertragen.
Keine Kochsalzlösung zur Aktivierung der Avoca-Stifte
Zur Aktivierung soll keine:
Kochsalzlösung beziehungsweise chloridhaltige Flüssigkeit
verwendet werden.
Chloridionen reagieren mit Silberionen und bilden:
Silberchlorid.
Dadurch kann die verfügbare Silbernitratwirkung reduziert werden.
Wiederverwendbarkeit der Avoca-Pencils
Im Unterschied zum SILVERIN-Einmalstäbchen sind die Avoca-Pencils:
mehrfach verwendbar.
Nach der Anwendung wird die Spitze entsprechend der Produktanleitung:
getrocknet und wieder verschlossen.
Der Stift kann bei einer späteren Behandlung erneut verwendet werden.
Wiederverwendbar bedeutet nicht für mehrere Personen
Ein bereits verwendeter Avoca-Pencil darf nicht einfach bei einem anderen Kunden eingesetzt werden.
Die Wiederverwendbarkeit gilt:
für dieselbe Person.
Ein einmal verwendeter Stift muss deshalb bei professioneller Anwendung:
eindeutig patientenbezogen zugeordnet
werden.
Warum nicht zwischen Kunden verwenden?
Der Stift kommt mit:
- Haut,
- Gewebe,
- möglicherweise Blut,
- Wundsekret
in Kontakt.
Er ist kein Instrument, das nach Gebrauch validiert:
- gereinigt,
- desinfiziert,
- sterilisiert
werden kann.
Deshalb ist ein Wechsel zwischen verschiedenen Personen hygienisch nicht sinnvoll.
Stäbchen oder Stift – Hygiene
Das dünne SILVERIN-Einmalstäbchen besitzt hier einen klaren Vorteil:
Nach Gebrauch wird es entsorgt.
Dadurch entfällt:
- patientenbezogene Zwischenlagerung,
- Verwechslungsgefahr,
- Wiederverwendungsmanagement.
Wie lange behandeln?
Es gibt keinen festen Behandlungszeitraum, der für jede Hypergranulation gilt.
Beim SILVERIN-Stäbchen lautet die Herstellerempfehlung:
bei Bedarf alle 2–3 Tage wiederholen, bis der gewünschte Erfolg eintritt.
Für Piercings gilt jedoch zusätzlich:
Die Gewebereaktion muss zwischen den Anwendungen beurteilt werden.
Eine kleine Hypergranulation kann möglicherweise bereits nach:
einer einzelnen Behandlung
deutlich zurückgehen.
Nicht unbegrenzt weiterbehandeln
Wenn nach mehreren Anwendungen:
- keine erkennbare Besserung eintritt,
- die Veränderung rasch erneut entsteht,
- das Gewebe größer wird,
- starke Blutungen auftreten,
sollte nicht einfach immer weiter kauterisiert werden.
Dann muss die:
Diagnose beziehungsweise Ursache erneut geprüft werden.
Ursache vor Behandlung prüfen
Silbernitrat entfernt beziehungsweise reduziert überschießendes Gewebe.
Es beseitigt jedoch keine:
- falsche Schmucklänge,
- Winkelspannung,
- Druckbelastung,
- Reibung,
- Hebelwirkung,
- dauerhafte Feuchtigkeit.
Bleibt die Ursache bestehen, kann die Hypergranulation:
erneut auftreten.
Siehe:
„Wildfleisch“ zuerst richtig einordnen
Nicht jede Beule am Piercing ist Hypergranulation.
Der Begriff:
„Wildfleisch“
kann unter anderem bedeuten:
- Hypergranulation,
- Irritationsbeule,
- pyogenes Granulom,
- echtes Granulom,
- hypertrophe Narbe,
- Keloid.
Silbernitrat sollte deshalb nicht pauschal auf jede Gewebeveränderung aufgetragen werden.
Siehe:
Pyogenes Granulom
Ein pyogenes Granulom kann:
- stark rot,
- sehr gefäßreich,
- ausgesprochen leicht blutend,
- relativ schnell wachsend
sein.
Eine solche Veränderung sollte nicht automatisch als gewöhnliche Hypergranulation behandelt werden.
Bei einem unklaren, schnell wachsenden oder stark blutenden Befund ist eine:
medizinische beziehungsweise dermatologische Beurteilung
sinnvoll.
Silbernitrat und Piercingschmuck
Silbernitrat sollte möglichst nicht auf den:
Piercingschmuck
gelangen.
Silbernitrat beziehungsweise Silberionen können abhängig vom Material:
- Verfärbungen,
- Ablagerungen,
- Oberflächenreaktionen
verursachen.
Gerade bei einer sehr kleinen Hypergranulation unmittelbar am Schmuck ist deshalb die:
kleine Kontaktfläche des Applikators
von besonderem Vorteil.
Titan
Hochwertiges Titan besitzt eine stabile:
Titanoxidschicht.
Ein einmaliger kurzer Kontakt bedeutet nicht automatisch eine starke Korrosion.
Silbernitrat sollte trotzdem nicht gezielt oder regelmäßig auf:
hochpolierten Titanschmuck
aufgebracht werden.
PVD-Beschichtungen
Bei PVD-beschichtetem Schmuck sind insbesondere:
- Kratzer,
- Poren,
- Beschichtungsdefekte
relevant.
Solche Schäden können beispielsweise beim Einsetzen durch:
- Micro-Mosquito-Klemmen,
- andere Metallinstrumente,
- Abrutschen,
- hohen Anpressdruck
entstehen.
An beschädigten Stellen kann das:
Grundmaterial
freiliegen.
Silbernitrat und beschädigte Beschichtungen
Gelangen Silbernitrat beziehungsweise Silberionen an solche Defekte, können sie direkt mit dem darunterliegenden Material in Kontakt kommen.
Die tatsächliche Reaktion hängt unter anderem ab von:
- Grundmaterial,
- Beschichtung,
- Kontaktzeit,
- Feuchtigkeit.
Deshalb sollte ein direkter Kontakt von Silbernitrat mit beschichtetem Schmuck:
möglichst vollständig vermieden werden.
Vergoldeter Schmuck
Auch bei Vergoldungen können:
- Poren,
- Kratzer,
- Abrieb
das Grundmaterial freilegen.
Eine präzise Applikation ist deshalb auch hier wichtig.
Schmuck während der Behandlung nicht unnötig berühren
Der Wirkstoffkopf beziehungsweise die Wirkstofflösung sollte möglichst ausschließlich:
das überschießende Gewebe
erreichen.
Nicht sinnvoll ist:
- den Schmuck mit dem Stift zu bestreichen,
- den Applikator zwischen Schmuck und Stichkanal zu drücken,
- Silbernitrat großflächig über die Piercingregion zu verteilen.
Schmuck nicht automatisch entfernen
Der Schmuck sollte jedoch nicht allein für die Silbernitratbehandlung entfernt werden.
Ein unnötiger Schmuckwechsel beziehungsweise eine Entfernung kann:
- den Stichkanal traumatisieren,
- Blutungen verursachen,
- zusätzliche Reizung auslösen.
Die Situation muss individuell beurteilt werden.
Silbernitrat im Vergleich zu Wasserstoffperoxid
Silbernitrat und Wasserstoffperoxid können beide Gewebe schädigen.
Der Wirkmechanismus unterscheidet sich jedoch grundlegend.
Silbernitrat
Silbernitrat wirkt:
gezielt chemisch kauterisierend.
Durch einen kleinen Applikator kann eine klar begrenzte Hypergranulation relativ punktgenau behandelt werden.
Die Anwendung bei überschießendem Granulationsgewebe ist medizinisch:
etabliert.
Wasserstoffperoxid
Wasserstoffperoxid wirkt dagegen als:
Oxidationsmittel.
Es kann gleichzeitig:
- Fibroblasten,
- Keratinozyten,
- Granulationsgewebe,
- Mikroorganismen
oxidativ schädigen.
Die Gewebewirkung ist weniger gezielt auf Hypergranulation ausgerichtet.
Siehe:
Welches ist bei Hypergranulation besser geeignet?
Für die gezielte Kauterisation von Hypergranulation ist Silbernitrat:
medizinisch deutlich besser etabliert
als Wasserstoffperoxid.
Ein wesentlicher praktischer Vorteil ist:
Silbernitrat kann mit einem kleinen Applikator punktgenau auf das überschießende Gewebe begrenzt werden.
Bei Wasserstoffperoxid besteht dagegen leichter eine Exposition von:
- Hypergranulation,
- gesundem Heilungsgewebe,
- Stichkanal,
- Schmuckoberfläche.
Direkte Vergleichsstudien
Belastbare klinische Untersuchungen, die bei Piercings direkt:
Silbernitrat gegen 3%iges Wasserstoffperoxid
vergleichen, liegen nicht vor.
Deshalb kann keine seriöse Aussage getroffen werden wie:
„Silbernitrat ist um X Prozent erfolgreicher.“
Die medizinische Anwendung von Silbernitrat zur Kauterisation überschießenden Granulationsgewebes ist jedoch:
deutlich besser etabliert.
Silbernitrat oder Hydrocortison?
Auch topische Kortikosteroide können bei bestimmten Formen von Hypergranulation eingesetzt werden.
Silbernitrat:
kauterisiert das überschießende Gewebe direkt.
Hydrocortison:
beeinflusst entzündliche und proliferative Prozesse.
Welche Behandlung geeignet ist, hängt vom konkreten Befund ab.
Siehe:
Schnellübersicht der Produktauswahl
| Befund | Sinnvollste der drei Varianten |
|---|---|
| sehr kleine punktförmige Hypergranulation | SILVERIN 50 % dünnes Stäbchen |
| kleine Stelle direkt neben Piercingschmuck | SILVERIN 50 % dünnes Stäbchen |
| etwas größere flächige Hypergranulation | Avoca rot 40 % kann geeigneter sein |
| größere Fläche mit gewünschter stärkerer Kauterisation | Avoca blau 95 % nur bei entsprechender Indikation |
| sehr wenig Abstand zu gesundem Gewebe | möglichst kleinster Applikator |
| maximale Wirkstoffstärke erforderlich | Avoca blau 95 %, jedoch mit größter Vorsicht |
Schnellvergleich
| Merkmal | SILVERIN 50 % | Avoca rot 40 % | Avoca blau 95 % |
|---|---|---|---|
| Kontaktfläche | kleinste | größer | größer |
| Silbernitratkonzentration | 50 % | 40 % | 95 % |
| Punktgenauigkeit | sehr hoch | mittel | mittel |
| Risiko bei sehr kleiner Läsion | vergleichsweise gut kontrollierbar | größer | am höchsten bei Fehlkontakt |
| Wiederverwendbarkeit | nein | ja, gleiche Person | ja, gleiche Person |
| Kundenwechsel möglich | nein | nein | nein |
| Vorteil | höchste Präzision | mildere Mehrfachanwendung | sehr starke Wirkung |
| Nachteil | neues Stäbchen je Anwendung | größere Kontaktfläche | hohe Konzentration + größere Kontaktfläche |
Der wichtigste Grundsatz
Bei Silbernitrat entscheidet nicht nur die:
Konzentration
sondern ebenso die:
Größe der Kontaktfläche.
Bei einer kleinen Hypergranulation kann eine zu große Spitze unnötig:
gesundes umliegendes Gewebe kauterisieren.
Von den drei hier beschriebenen Varianten bietet das:
dünne 115-mm-SILVERIN-Ätzstäbchen
die kleinste Kontaktfläche und damit die höchste mechanische Präzision für sehr kleine Gewebeareale.
Der rote 40%-Avoca-Stift besitzt eine mildere Wirkstoffkonzentration, aber eine größere Spitze.
Der blaue 95%-Avoca-Stift kombiniert:
größere Kontaktfläche mit sehr hoher Wirkstoffkonzentration
und verlangt deshalb bei kleinen Piercingbefunden die größte Vorsicht.
Grundsätzlich gilt:
Nicht den stärksten Stift auswählen, sondern den Applikator und die Konzentration, die zur Größe und Lage des tatsächlich zu behandelnden Gewebes passen.
Und unabhängig vom verwendeten Produkt:
Silbernitrat behandelt die Hypergranulation – nicht automatisch deren Ursache.
