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Pflegeprodukte beim Piercing – Grundlagen
Für die Pflege eines Piercings werden sehr unterschiedliche Produkte angeboten.
Dazu gehören beispielsweise:
- sterile Kochsalzlösungen,
- Wundspüllösungen,
- Piercing-Pflegesprays,
- antiseptische Lösungen,
- Mundspüllösungen,
- Arzneimittel,
- kosmetische Produkte.
Dabei sehen Produkte teilweise ähnlich aus oder enthalten sogar ähnliche Wirkstoffe.
Trotzdem können sie rechtlich und medizinisch völlig unterschiedlich eingeordnet sein.
Der wichtigste Grundsatz lautet deshalb:
Nicht allein der Inhaltsstoff entscheidet darüber, was ein Produkt ist und wofür es verwendet werden darf.
Entscheidend sind insbesondere:
- die Zweckbestimmung des Herstellers,
- die vorgesehene Anwendung,
- das Wirkprinzip,
- die Kennzeichnung,
- die Gebrauchsanweisung,
- die jeweilige rechtliche Produktkategorie.
„Pflegeprodukt“ ist keine eindeutige rechtliche Kategorie
Der Begriff Pflegeprodukt wird im Alltag sehr häufig verwendet.
Er kann jedoch völlig unterschiedliche Produkte umfassen.
Ein als „Piercingpflege“ angebotenes Produkt kann beispielsweise rechtlich ein:
- kosmetisches Mittel,
- Medizinprodukt,
- Arzneimittel
sein.
Deshalb sagt die Bezeichnung:
„Pflegeprodukt“
allein noch nichts darüber aus, welche rechtlichen Anforderungen gelten oder welche Wirkung das Produkt beanspruchen darf.
Warum ist die Produktkategorie wichtig?
Die Produktkategorie bestimmt unter anderem:
- welche Aussagen der Hersteller machen darf,
- wofür das Produkt vorgesehen ist,
- welche regulatorischen Anforderungen gelten,
- welche Wirksamkeits- und Sicherheitsanforderungen gelten,
- welche Gebrauchshinweise beachtet werden müssen.
Für die Piercingpflege ist deshalb nicht nur interessant:
„Was ist enthalten?“
sondern ebenso:
„Wofür ist genau dieses Produkt vom Hersteller bestimmt?“
Kosmetische Mittel
Kosmetische Mittel sind nach europäischem Recht Stoffe oder Gemische, die hauptsächlich dazu bestimmt sind, äußerlich mit bestimmten Körperbereichen oder mit Zähnen und Mundschleimhaut in Kontakt zu kommen, beispielsweise um diese:
- zu reinigen,
- zu schützen,
- in gutem Zustand zu halten,
- zu parfümieren,
- ihr Aussehen zu verändern.
Ein kosmetisches Mittel ist damit grundsätzlich kein Arzneimittel zur Behandlung einer Infektion oder Erkrankung.
Die konkrete Einordnung hängt jedoch immer vom jeweiligen Produkt und seiner Zweckbestimmung ab.
Medizinprodukte
Ein Medizinprodukt ist ein Produkt mit einer vom Hersteller festgelegten medizinischen Zweckbestimmung.
Dazu können beispielsweise Produkte gehören, die zur:
- Behandlung oder Linderung einer Verletzung,
- Behandlung oder Linderung eines pathologischen Zustands,
- Unterstützung medizinischer Maßnahmen
bestimmt sind.
Ein entscheidender Unterschied zum Arzneimittel besteht darin, dass die bestimmungsgemäße Hauptwirkung eines Medizinprodukts nicht pharmakologisch, immunologisch oder metabolisch erreicht wird.
Bei Wundspüllösungen kann die Hauptwirkung beispielsweise physikalisch durch:
- Spülen,
- Entfernen von Verunreinigungen,
- mechanische Reinigung,
- Feuchthalten
erreicht werden.
Welche Kategorie tatsächlich vorliegt, muss jedoch immer für das konkrete Produkt geprüft werden.
Arzneimittel
Arzneimittel dienen unter anderem dazu:
- Krankheiten zu behandeln,
- Krankheiten zu verhindern,
- physiologische Funktionen pharmakologisch, immunologisch oder metabolisch zu beeinflussen.
Typische Beispiele im Zusammenhang mit Haut- oder Wundproblemen können bestimmte:
- Antiseptika,
- antibiotische Präparate,
- entzündungshemmende Präparate
sein.
Ob ein bestimmtes Produkt tatsächlich ein Arzneimittel ist, ergibt sich nicht allein daraus, dass es einen bekannten Wirkstoff enthält.
Entscheidend ist die konkrete rechtliche Einstufung des Produktes.
Der gleiche Inhaltsstoff bedeutet nicht automatisch die gleiche Produktart
Das ist für die Piercingpflege besonders wichtig.
Zwei Produkte können einen ähnlichen oder sogar denselben Inhaltsstoff enthalten und trotzdem unterschiedlich eingestuft sein.
Grund dafür können Unterschiede sein bei:
- Konzentration,
- Zusammensetzung,
- Zweckbestimmung,
- vorgesehener Anwendung,
- Wirkprinzip,
- Produktzulassung bzw. Konformitätsbewertung.
Deshalb sollte aus der Zutatenliste allein nicht geschlossen werden:
„Das ist dasselbe Produkt.“
Beispiel: Kochsalzlösung
Eine Lösung mit 0,9 % Natriumchlorid ist zunächst eine isotone Kochsalzlösung.
Je nach konkretem Produkt kann sie beispielsweise zur:
- Spülung,
- Reinigung,
- Befeuchtung
vorgesehen sein.
Wichtig:
NaCl 0,9 % besitzt keine relevante antiseptische Wirkung.
Die Hauptfunktion bei der Piercingpflege besteht vor allem in der:
- mechanischen Reinigung,
- Spülung,
- Einweichung eingetrockneter Sekrete.
Mehr dazu:
Steril bedeutet nicht automatisch Medizinprodukt
Auch dieser Punkt wird häufig missverstanden.
Sterilität beschreibt einen Zustand bzw. eine Produkteigenschaft.
Sie sagt zunächst nichts darüber aus, ob ein Produkt rechtlich ein:
- Medizinprodukt,
- Arzneimittel
- oder eine andere Produktart
ist.
Ein steriles Produkt ist deshalb nicht allein aufgrund seiner Sterilität automatisch ein Medizinprodukt.
Siehe:
Medizinprodukt bedeutet nicht automatisch steril
Auch umgekehrt gilt:
Ein Medizinprodukt ist nicht automatisch steril.
Ob ein Medizinprodukt steril bereitgestellt wird, hängt von:
- Produktart,
- Zweckbestimmung,
- vorgesehener Verwendung
ab.
Deshalb muss bei jedem Produkt konkret geprüft werden, ob der Hersteller es als steril kennzeichnet.
Reinigend ist nicht dasselbe wie antiseptisch
Ein Produkt kann Wundsekret oder Verunreinigungen entfernen, ohne Mikroorganismen gezielt abzutöten.
Beispielsweise kann eine Flüssigkeit durch:
- Spülen,
- Lösen,
- mechanisches Entfernen
reinigen.
Ein Antiseptikum besitzt dagegen eine gezielte antimikrobielle Wirkung auf lebendem Gewebe.
Deshalb sind die Aussagen:
„reinigt“
und
„wirkt antiseptisch“
nicht gleichbedeutend.
Siehe:
Mehr Wirkstoffe bedeuten nicht automatisch bessere Pflege
Bei einem normal heilenden Piercing besteht das Ziel nicht darin, möglichst viele Wirkstoffe anzuwenden.
Zu intensive oder unnötig aggressive Pflege kann empfindliches Heilungsgewebe zusätzlich reizen.
Mögliche Probleme einer Überpflege sind:
- Trockenheit,
- Hautreizung,
- Brennen,
- Kontaktreaktionen,
- zusätzliche mechanische Belastung durch häufige Reinigung.
Deshalb sollte Pflege immer einen konkreten Zweck erfüllen.
Siehe:
Mehrere Produkte gleichzeitig verwenden?
Auch mehrere einzeln geeignete Produkte müssen nicht automatisch eine sinnvolle Kombination ergeben.
Mögliche Probleme sind:
- unnötige Mehrfachbehandlung,
- stärkere Hautreizung,
- unübersichtliche Reaktionen,
- mögliche Wechselwirkungen,
- falsche Anwendung.
Deshalb sollte nicht nach dem Prinzip:
„Viel hilft viel.“
gepflegt werden.
Mehr dazu:
Pflege oder Behandlung?
Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen:
normaler Piercingpflege
und
Behandlung einer medizinischen Komplikation.
Normale Pflege kann beispielsweise:
- Wundsekret entfernen,
- den Bereich sauber halten,
- eingetrocknete Ablagerungen einweichen,
- mechanische Reizung reduzieren.
Eine ausgeprägte:
- Infektion,
- Perichondritis,
- Abszessbildung,
- schwere allergische Reaktion
kann dadurch jedoch nicht zuverlässig behandelt werden.
Solche Situationen benötigen gegebenenfalls medizinische Diagnostik und Therapie.
Das Produkt muss zur Situation passen
Die Frage sollte deshalb nicht lauten:
„Welches ist das stärkste Produkt?“
Sondern:
„Was benötigt dieses Piercing in der aktuellen Situation überhaupt?“
Beispiele:
Normale Reinigung
→ möglicherweise reicht eine geeignete sterile Kochsalzlösung.
Mechanische Reizung
→ vor allem die mechanische Ursache beseitigen.
Verdacht auf Infektion
→ nicht einfach immer stärkere Pflegeprodukte ausprobieren, sondern die Situation beurteilen lassen.
Medizinische Komplikation
→ gegebenenfalls ärztliche Behandlung.
Was sollte vor der Anwendung eines Produktes geprüft werden?
Vor der Verwendung sind insbesondere wichtig:
- Produktname,
- Hersteller,
- Zweckbestimmung,
- vorgesehene Körperregion,
- Gebrauchsanweisung,
- Inhaltsstoffe,
- Kontraindikationen,
- Warnhinweise,
- Haltbarkeit,
- gegebenenfalls Sterilität.
Bei Produkten für Wunden oder Schleimhäute sollte außerdem geprüft werden, ob genau diese Anwendung vom Hersteller vorgesehen ist.
Werbung ersetzt keine Zweckbestimmung
Begriffe wie:
- „professionell“,
- „medizinisch“,
- „antibakteriell“,
- „für empfindliche Haut“,
- „Piercingpflege“
sollten nicht isoliert bewertet werden.
Entscheidend ist die offizielle Produktinformation des Herstellers.
Bei einem Medizinprodukt ist die Zweckbestimmung besonders wichtig.
Siehe:
Der wichtigste Grundsatz
Bei Pflegeprodukten für Piercings müssen drei Fragen getrennt beantwortet werden:
1. Was ist das Produkt rechtlich?
Kosmetikum, Medizinprodukt, Arzneimittel oder eine andere Produktkategorie?
2. Wofür ist genau dieses Produkt bestimmt?
Reinigung, Spülung, Antiseptik, Behandlung oder etwas anderes?
3. Passt diese Zweckbestimmung zur aktuellen Situation des Piercings?
Erst danach sollte entschieden werden, ob das Produkt sinnvoll eingesetzt werden kann.
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