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Keloid am Piercing

Ein Keloid ist eine besondere Form überschießender Narbenbildung.

Es entsteht, wenn Narbengewebe über die ursprüngliche Verletzungsgrenze hinaus weiterwächst.

Auch nach einem Piercing kann sich ein Keloid entwickeln.

Wichtig:

Ein Keloid ist nicht dasselbe wie eine Irritationsbeule, Hypergranulation oder hypertrophe Narbe.

Was ist ein Keloid?

Ein Keloid besteht aus überschießendem Narbengewebe.

Dabei produziert das Gewebe übermäßig Narbenmatrix und Kollagen.

Im Gegensatz zur hypertrophen Narbe bleibt das Wachstum nicht auf den ursprünglichen Wundbereich begrenzt.

Das Keloid wächst über die ursprüngliche Verletzungsgrenze hinaus.

Wie kann ein Keloid aussehen?

Ein Keloid kann:

  • fest
  • erhaben
  • glatt
  • glänzend
  • rosa
  • rötlich
  • bräunlich
  • dunkler als die umgebende Haut

erscheinen.

Es kann im Verlauf zunehmend größer werden.

Typisch ist eine eher feste Konsistenz.

Welche Beschwerden kann ein Keloid verursachen?

Ein Keloid kann:

  • jucken
  • spannen
  • druckempfindlich sein
  • schmerzen
  • kosmetisch störend wirken

Manche Keloide verursachen kaum Beschwerden.

Wann entsteht ein Keloid?

Ein Keloid entsteht nicht unmittelbar nach dem Stechen.

Es entwickelt sich im Verlauf der Narbenbildung.

Das Wachstum kann:

  • langsam beginnen
  • über Monate fortschreiten
  • teilweise auch länger bestehen bleiben

Wer bekommt Keloide?

Nicht jeder Mensch entwickelt Keloide.

Es besteht eine deutliche individuelle Veranlagung.

Eine Rolle spielen unter anderem:

  • genetische Faktoren
  • persönliche Narbenneigung
  • Körperregion
  • Art und Ausmaß der Verletzung
  • Entzündungs- und Heilungsverlauf

Eine wiederholte Reizung allein bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Keloid entsteht.

Welche Körperstellen sind häufiger betroffen?

Keloide treten besonders häufig an bestimmten Körperregionen auf.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Ohrläppchen
  • Ohrregion
  • Brustbein
  • Schultern
  • oberer Rücken

Piercings im Ohrbereich können deshalb grundsätzlich mit Keloidbildung verbunden sein.

Keloid oder hypertrophe Narbe?

Diese beiden Narbenformen werden häufig verwechselt.

Der wichtigste Unterschied ist:

Hypertrophe Narbe

→ bleibt innerhalb der ursprünglichen Verletzungsgrenze.

Keloid

→ wächst über die ursprüngliche Verletzungsgrenze hinaus.

Eine hypertrophe Narbe kann im Verlauf häufig flacher werden.

Ein Keloid zeigt dagegen eher ein anhaltendes oder weitergehendes Wachstum.

➡️ Hypertrophe Narbe

Keloid oder Irritationsbeule?

Eine Irritationsbeule entsteht häufig im Zusammenhang mit einer aktuellen mechanischen Reizung.

Sie kann sich verändern, wenn:

  • Druck reduziert wird
  • Winkelspannung beseitigt wird
  • der Schmuck angepasst wird
  • die Reizung abnimmt

Ein Keloid besteht dagegen aus Narbengewebe und verhält sich nicht wie eine typische mechanische Reizbeule.

➡️ Irritationsbeule / Reizknubbel

Keloid oder Hypergranulation?

Hypergranulation ist überschießendes Granulationsgewebe.

Sie ist häufig:

  • weich
  • feucht
  • kräftig rot
  • leicht blutend

Ein Keloid ist dagegen typischerweise:

  • fester
  • trockener
  • narbenähnlich
  • nicht leicht blutend

➡️ Hypergranulation

Keloid oder Granulom?

Ein Keloid ist Narbengewebe.

Ein Granulom ist dagegen eine spezielle chronisch-entzündliche Gewebereaktion.

Die beiden Begriffe dürfen deshalb nicht gleichgesetzt werden.

➡️ Granulom – was bedeutet der Begriff?

Ist jede Beule am Ohr ein Keloid?

Nein.

Gerade an Piercings werden viele unterschiedliche Veränderungen vorschnell als Keloid bezeichnet.

Mögliche andere Ursachen sind:

  • Irritationsbeule
  • Hypergranulation
  • hypertrophe Narbe
  • Wundwasserblase
  • Granulom
  • entzündliche Schwellung

Eine kleine Beule am Piercing ist deshalb nicht automatisch ein Keloid.

Woran sollte man bei einem Keloid besonders denken?

Hinweise können sein:

  • feste Konsistenz
  • langsames aber anhaltendes Wachstum
  • Ausdehnung über die ursprüngliche Piercingstelle hinaus
  • zunehmende Größe ohne typische Schwankungen
  • persönliche oder familiäre Neigung zu Keloiden

Eine sichere Diagnose sollte medizinisch gestellt werden.

Kann ein Keloid von allein verschwinden?

Keloide bilden sich normalerweise nicht so zuverlässig spontan zurück wie hypertrophe Narben.

Sie können über lange Zeit bestehen bleiben.

Teilweise können sie:

  • stabil bleiben
  • langsam weiterwachsen
  • nach Behandlung erneut auftreten

Sollte man ein Keloid selbst behandeln?

Nein.

Ein vermutetes Keloid sollte nicht:

  • ausgedrückt
  • aufgestochen
  • abgeschnitten
  • aufgekratzt
  • weggeätzt
  • abgebrannt

werden.

Solche Maßnahmen verursachen neue Gewebeverletzungen.

Gerade bei einer bestehenden Keloidneigung kann zusätzliche Verletzung problematisch sein.

Wasserstoffperoxid entfernt kein Keloid

Wasserstoffperoxid kann Keloidgewebe nicht gezielt beseitigen.

Es kann stattdessen gesundes oder heilendes Gewebe zusätzlich reizen beziehungsweise schädigen.

➡️ Warum Wasserstoffperoxid bei heilenden Piercings problematisch ist

Sollte der Schmuck entfernt werden?

Das sollte nicht pauschal entschieden werden.

Ob der Schmuck:

  • belassen
  • angepasst
  • gewechselt
  • entfernt

werden sollte, hängt von:

  • Lage
  • Größe
  • Gewebesituation
  • Schmuckdruck
  • Entzündungszeichen

ab.

Bei einem vermuteten Keloid sollte die Situation professionell beurteilt werden.

Wann sollte ein Piercer kontrollieren?

Eine professionelle Kontrolle ist sinnvoll, wenn:

  • unklar ist, ob es sich um ein Keloid oder eine Irritationsbeule handelt
  • der Schmuck Druck auf die Gewebeveränderung ausübt
  • der Schmuck zu kurz erscheint
  • sich die Schmucklage verändert
  • gleichzeitig eine mechanische Reizung besteht

Wann sollte ein Arzt oder Hautarzt kontrollieren?

Eine medizinische beziehungsweise dermatologische Abklärung ist sinnvoll, wenn:

  • die Veränderung kontinuierlich größer wird
  • sie über die ursprüngliche Verletzungsgrenze hinauswächst
  • deutliche Beschwerden bestehen
  • die Diagnose unklar ist
  • eine Behandlung gewünscht wird

Für Keloide stehen verschiedene medizinische Behandlungsverfahren zur Verfügung.

Welche Therapie geeignet ist, muss individuell medizinisch entschieden werden.

Kann ein Keloid nach Behandlung wiederkommen?

Ja.

Keloide können nach einer Behandlung erneut wachsen.

Deshalb ist die Therapie häufig anspruchsvoller als bei einer einfachen hypertrophen Narbe.

Eine Behandlung sollte deshalb nicht eigenständig durchgeführt werden.

Merke

Ein Keloid besteht aus überschießendem Narbengewebe.

Es wächst über die ursprüngliche Verletzungsgrenze hinaus.

Es ist keine Irritationsbeule.

Es ist keine Hypergranulation.

Es ist kein Granulom.

Nicht jede Beule am Piercing ist ein Keloid.

Keloidbildung hängt wesentlich von individueller Veranlagung ab.

Ein vermutetes Keloid sollte medizinisch beurteilt werden.


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Weitere mögliche Veränderungen

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