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Gefahrdreieck des Gesichts – warum Infektionen hier besonders ernst genommen werden
Als Gefahrdreieck des Gesichts bezeichnet man einen Bereich, der ungefähr:
- von den beiden Mundwinkeln
- bis zur Nasenwurzel
reicht.
Dazu gehören insbesondere:
- Nase,
- Nasenvorhof,
- Oberlippe,
- angrenzende Bereiche der Wangen.
Der Begriff bedeutet nicht, dass jede Entzündung oder jedes Piercing in diesem Bereich gefährlich ist.
Er beschreibt vielmehr eine anatomische Besonderheit:
Venöse Gefäße des Gesichts stehen über mehrere Gefäßverbindungen mit den Augenvenen und schließlich mit dem Sinus cavernosus im Schädelinneren in Verbindung.
Dadurch besteht – selten, aber grundsätzlich möglich – ein Weg, über den sich schwere Infektionen aus dem Gesichtsbereich nach intrakraniell ausbreiten können.
Was ist der Sinus cavernosus?
Der Sinus cavernosus ist ein venöser Blutraum an der Schädelbasis.
Er liegt beidseits der Sella turcica und steht mit verschiedenen venösen Gefäßen des:
- Gesichtes,
- Auges,
- Gehirns
- und der Nasennebenhöhlen
in Verbindung.
Durch beziehungsweise an seiner Wand verlaufen wichtige Strukturen, darunter:
- die Arteria carotis interna,
- Hirnnerv III,
- Hirnnerv IV,
- Hirnnerv V1,
- Hirnnerv V2,
- Hirnnerv VI.
Eine Entzündung oder Thrombose in diesem Bereich kann deshalb erhebliche neurologische und ophthalmologische Folgen haben.
Siehe:
Warum gibt es eine Verbindung vom Gesicht zum Schädelinneren?
Die venöse Drainage des Gesichts ist stark miteinander vernetzt.
Unter anderem bestehen Verbindungen:
Gesichtsvenen
↓
Angularvene
↓
obere und untere Augenvenen
↓
Sinus cavernosus
Daneben gibt es weitere venöse Verbindungen, beispielsweise über den Plexus pterygoideus.
Dadurch existiert anatomisch ein möglicher Weg, über den sich:
- Infektion,
- entzündliches Material
- oder thrombophlebitische Prozesse
aus dem Gesichtsbereich weiter ausbreiten können.
Sind die Gesichtsvenen wirklich klappenlos?
Oft wird erklärt:
„Die Gesichtsvenen haben keine Venenklappen, deshalb können Infektionen ungehindert zum Gehirn wandern.“
Diese Erklärung ist zu vereinfacht.
Anatomische Untersuchungen zeigen, dass Venenklappen in Teilen der:
- Gesichtsvenen,
- Angularvenen,
- ophthalmischen Venen
vorhanden sein können.
Entscheidend ist deshalb nicht allein das Vorhandensein oder Fehlen von Venenklappen.
Wichtiger sind:
- die zahlreichen venösen Verbindungen,
- mögliche Druckumkehr,
- die anatomische Verbindung zum Sinus cavernosus.
Deshalb bleibt eine Ausbreitung grundsätzlich möglich.
Was bedeutet das für Piercings?
Piercings im Gesichtsbereich befinden sich normalerweise in oberflächlichen Gewebeschichten.
Ein fachgerecht gestochenes und komplikationslos heilendes Piercing führt nicht automatisch zu einer Gefahr für den Sinus cavernosus.
Relevant wird das Thema vor allem bei einer deutlichen bakteriellen Infektion.
Besondere Aufmerksamkeit gilt beispielsweise Piercings im Bereich von:
- Nase,
- Nasenflügel,
- Oberlippe,
- Philtrum,
- angrenzenden Gesichtspartien.
Nicht die Piercingposition allein ist das Problem.
Entscheidend ist eine fortschreitende Infektion.
Wie könnte sich eine Infektion ausbreiten?
Eine bakterielle Infektion kann zunächst lokal begrenzt sein.
In seltenen Fällen kann sich eine Infektion:
- in umliegendes Gewebe,
- entlang venöser Gefäßverbindungen,
- über thrombophlebitische Prozesse
weiter ausbreiten.
Ein mögliches, sehr seltenes Endstadium ist eine:
septische Sinus-cavernosus-Thrombose.
Diese ist eine medizinische Notfallsituation.
Bedeutet ein entzündetes Nostril-Piercing automatisch Gefahr?
Nein.
Die überwiegende Mehrzahl lokaler Piercingreizungen oder kleiner Infektionen entwickelt keine intrakranielle Komplikation.
Das Gefahrdreieck soll nicht unnötig Angst machen.
Es bedeutet lediglich:
Eine deutliche oder rasch fortschreitende Infektion im zentralen Gesichtsbereich sollte nicht über längere Zeit ignoriert werden.
Was sollte bei einem Abszess oder Furunkel vermieden werden?
Stark entzündete oder eitrige Veränderungen im Bereich der Nase oder Oberlippe sollten nicht:
- ausgedrückt,
- aufgequetscht,
- mit Nadeln eröffnet,
- wiederholt manipuliert
werden.
Mechanische Manipulation kann:
- Gewebe zusätzlich verletzen,
- Bakterien tiefer einbringen,
- Entzündungsprozesse verstärken.
Größere Furunkel oder Abszesse im Bereich der Nase gehören ärztlich beurteilt.
Welche Zeichen sprechen für eine lokale Infektion?
Dazu gehören beispielsweise:
- zunehmende Rötung,
- Schwellung,
- Überwärmung,
- zunehmende Schmerzen,
- Eiter,
- Abszessbildung.
Siehe:
Welche Warnzeichen sind besonders ernst?
Bei einer Infektion im zentralen Gesichtsbereich sollte dringend medizinisch abgeklärt werden, wenn zusätzlich auftreten:
- starke oder zunehmende Kopfschmerzen,
- Fieber,
- deutliche Schwellung um ein Auge,
- starke Rötung um das Auge,
- hervortretendes Auge,
- Doppelbilder,
- eingeschränkte Augenbewegung,
- hängendes Augenlid,
- Schmerzen hinter oder um das Auge,
- Sehstörungen,
- Taubheitsgefühl im Bereich von Stirn oder Gesicht,
- neurologische Auffälligkeiten.
Diese Symptome gehören nicht mehr zu einer normalen lokalen Piercingentzündung.
Warum sind Augenbeschwerden so wichtig?
Der Sinus cavernosus liegt in enger anatomischer Beziehung zu:
- Augenvenen,
- mehreren Hirnnerven,
- der inneren Halsschlagader.
Eine Störung kann deshalb unter anderem:
- Augenbewegungen beeinträchtigen,
- Doppelbilder verursachen,
- eine Schwellung um das Auge auslösen,
- die Sensibilität des Gesichts verändern.
Solche Symptome erfordern dringende medizinische Abklärung.
Gefahrdreieck bedeutet nicht „nicht piercen“
Der Begriff Gefahrdreieck bedeutet nicht, dass Piercings in diesem Bereich grundsätzlich ungeeignet oder verboten wären.
Entscheidend sind:
- fachgerechte Durchführung,
- hygienische Bedingungen,
- geeigneter Schmuck,
- korrekte Nachsorge,
- frühzeitiges Erkennen einer echten Infektion.
Ein normales, komplikationslos heilendes Piercing stellt keine Sinus-cavernosus-Thrombose dar.
Der wichtigste Grundsatz
Das Gefahrdreieck des Gesichts ist vor allem ein anatomisches Warnkonzept.
Es bedeutet:
Schwere bakterielle Infektionen im Bereich von Nase und Oberlippe können in seltenen Fällen über venöse Verbindungen tiefer in Richtung Schädelbasis gelangen.
Deshalb gilt:
Eine fortschreitende Gesichtsinfektion mit Augenbeschwerden, starken Kopfschmerzen oder Fieber gehört dringend medizinisch abgeklärt.
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