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Inhaltsverzeichnis

Richtige Reinigung und Pflege deines Piercings

Ein frisch gestochenes Piercing ist eine heilende Wunde.

Die Reinigung soll den natürlichen Heilungsprozess unterstützen, ohne das empfindliche Heilungsgewebe unnötig zu reizen.

Das Ziel ist nicht, das Piercing ständig zu desinfizieren oder den Schmuck möglichst häufig zu bewegen.

Eine gute Reinigung soll:

  • Wundsekret schonend entfernen
  • Blut- und Sekretkrusten aufweichen
  • Verklebungen zwischen Schmuck und Haut vermeiden
  • sichtbare Verunreinigungen beseitigen
  • die Stichkanaleingänge sauber halten
  • unnötige mechanische Reizung verhindern

Der wichtigste Grundsatz lautet:

So viel Reinigung wie notwendig – aber so wenig Manipulation wie möglich.

Womit soll das Piercing gereinigt werden?

Für die regelmäßige Reinigung eines frisch gestochenen Piercings verwenden wir:

Sterile isotonische Kochsalzlösung NaCl 0,9 %.

NaCl 0,9 % enthält:

0,9 g Natriumchlorid auf 100 ml Wasser.

Sie eignet sich sehr gut zur schonenden mechanischen Reinigung eines Piercings.

Mit steriler Kochsalzlösung können unter anderem:

  • Wundsekrete aufgeweicht
  • Blutreste gelöst
  • Verkrustungen weich gemacht
  • lose Verunreinigungen abgespült
  • Schmuckoberflächen gereinigt
  • Haut und Stichkanaleingänge schonend gereinigt

werden.

NaCl 0,9 % ist kein Desinfektionsmittel

Sterile Kochsalzlösung ist kein Antiseptikum und kein Desinfektionsmittel.

Sie tötet Bakterien, Pilze oder Viren nicht gezielt ab.

Ihre wichtigste Funktion bei der Piercingpflege ist die:

mechanische Reinigung.

Durch Befeuchten, Einweichen und Abspülen können Wundsekrete, Blutreste, Verschmutzungen und ein Teil der vorhandenen Mikroorganismen mechanisch entfernt oder verdünnt werden.

Das ist etwas anderes als eine chemische Desinfektion.

Warum ist NaCl 0,9 % so gut verträglich?

NaCl 0,9 % wird als isotonische Kochsalzlösung bezeichnet.

„Isotonisch“ bedeutet vereinfacht:

Die Konzentration der gelösten Teilchen liegt in einem Bereich, der der Osmolarität menschlicher Körperflüssigkeiten ähnlich ist.

Dadurch entsteht keine starke osmotische Belastung für das Gewebe.

Aus diesem Grund wird sterile Kochsalzlösung auch medizinisch zur Spülung und Reinigung von Wunden verwendet.

Sie gilt bei sachgerechter Anwendung als sehr gewebeschonend.

Enthält NaCl 0,9 % Nährstoffe für Bakterien?

Sterile Kochsalzlösung enthält im Wesentlichen:

  • Wasser
  • Natriumchlorid

Sie enthält keine zugesetzten organischen Nährstoffe wie:

  • Zucker
  • Eiweiße
  • Fette

Dadurch werden mit der Lösung selbst keine solchen zusätzlichen Nährstoffe auf die Wunde gebracht.

Wichtig:

Das bedeutet nicht, dass NaCl 0,9 % Bakterien abtötet oder deren Wachstum sicher verhindert.

NaCl 0,9 % besitzt keine eigene antiseptische Wirkung.

Der Vorteil liegt vor allem in der guten Gewebeverträglichkeit und der mechanischen Reinigungswirkung.

Warum sterile Kochsalzlösung?

Für ein frisches Piercing sollte sterile Kochsalzlösung verwendet werden.

„Steril“ bedeutet, dass sich in der ungeöffneten und ordnungsgemäß hergestellten Lösung keine vermehrungsfähigen Mikroorganismen befinden.

Dadurch wird bei der Reinigung nicht unnötig eine zusätzliche Keimquelle an das frische Piercing gebracht.

Verwendung von Einmalampullen

Bei sterilen NaCl-Einmalampullen gilt:

  • möglichst bei jeder Reinigung eine frische Ampulle verwenden
  • Ampulle hygienisch öffnen
  • Öffnung nicht mit Fingern berühren
  • Öffnung nicht mit verschmutzten Gegenständen berühren
  • angebrochene Einmalampullen nicht für spätere Reinigungen aufbewahren

Nach dem Öffnen kann die Lösung durch die Umgebung oder durch Berührung kontaminiert werden.

Deshalb sollte eine für den Einmalgebrauch vorgesehene Ampulle nach der Reinigung entsorgt werden.

So öffnest du eine NaCl-Kunststoffampulle

Halte die Ampulle aufrecht.

Fasse die dafür vorgesehene Lasche oder Verschlusskappe an.

Je nach Ampullentyp:

  • abdrehen
  • abknicken

Die Öffnung danach möglichst nicht berühren.

Eine Ampulle sollte nicht unnötig mit einer Schere geöffnet werden.

Warum Wundsekret überhaupt entsteht

Während der Heilung kann Flüssigkeit aus dem Stichkanal austreten.

Dieses Wundsekret kann:

  • klar
  • weißlich
  • leicht gelblich

sein.

Beim Antrocknen können kleine Krusten entstehen.

Das ist während der Heilung grundsätzlich möglich und bedeutet nicht automatisch eine Infektion.

Problematisch kann Wundsekret vor allem dann werden, wenn es am Schmuck und am Stichkanaleingang antrocknet und dort fest haftet.

Warum angetrocknetes Wundsekret problematisch werden kann

Wundsekret kann den Piercingschmuck mit der Haut verkleben.

Bewegt sich der Schmuck anschließend, kann die Verkrustung am empfindlichen Heilungsgewebe ziehen.

Dadurch können erneut entstehen:

  • Mikroverletzungen
  • kleine Einrisse
  • leichte Blutungen
  • neue Entzündungsreaktionen
  • vermehrte Sekretbildung
  • neue Verkrustungen

So kann ein Kreislauf entstehen:

Wundsekret

→ trocknet an

→ Schmuck und Haut verkleben

→ Schmuck bewegt sich

→ empfindliches Heilungsgewebe wird erneut gereizt oder verletzt

→ neues Wundsekret entsteht

→ neue Verkrustung entsteht

→ der Ablauf beginnt erneut

Was bedeutet dieser Kreislauf?

Mit „Kreislauf“ ist gemeint, dass sich dieser Vorgang immer wiederholen kann.

Zum Beispiel:

Am ersten Tag entsteht Wundsekret und trocknet am Schmuck an.

Am nächsten Tag bewegt sich der Schmuck beim Schlafen, Anziehen oder durch eine andere Belastung.

Dabei wird die verklebte Stelle erneut gereizt oder leicht verletzt.

Darauf reagiert der Körper wieder mit:

  • Rötung
  • leichter Schwellung
  • neuer Sekretbildung

Dieses neue Sekret trocknet erneut an.

Wenn die Ursache nicht beseitigt wird, kann sich derselbe Ablauf am nächsten Tag wiederholen.

So kann aus einer kleinen Reizung ein Problem entstehen, das über viele Tage oder sogar Wochen immer wieder aufflammt.

Das Piercing wirkt dann so, als würde es „nie richtig abheilen“.

Tatsächlich wird der Heilungsprozess immer wieder durch neue kleine mechanische Reizungen gestört.

Deshalb ist es so wichtig:

  • Verkrustungen ausreichend einzuweichen
  • Verklebungen vorsichtig zu lösen
  • den Schmuck nicht unnötig zu bewegen
  • Druck und Reibung möglichst zu vermeiden

Nur wenn dieser Kreislauf unterbrochen wird, kann das Gewebe zur Ruhe kommen und weiterheilen.

Vor jeder Reinigung

Bevor du dein Piercing reinigst:

  • Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen
  • Hände gut abspülen und trocknen
  • frische Kochsalzlösung bereitlegen
  • sauberes Wattestäbchen oder sterile Kompresse bereitlegen

Berühre das Piercing niemals unnötig mit ungewaschenen Händen.

Das Piercing zuerst ansehen

Bevor du mit der Reinigung beginnst, schau dir dein Piercing an.

Achte auf:

  • Blutreste
  • Wundsekret
  • Verkrustungen
  • Verklebungen zwischen Haut und Schmuck
  • sichtbare Verschmutzungen
  • starke Rötung
  • stärkere Schwellung
  • einsinkenden Schmuck

Wenn kaum oder keine Rückstände vorhanden sind, muss das Piercing nicht unnötig intensiv bearbeitet werden.

Verkrustungen niemals trocken entfernen

Angetrocknetes Wundsekret sollte niemals trocken:

  • abgekratzt
  • abgezogen
  • abgerissen
  • weggeschoben

werden.

Der wichtigste Schritt ist:

Erst einweichen.

NaCl 0,9 % befeuchtet die angetrockneten Sekrete.

Dadurch nehmen die trockenen Rückstände Flüssigkeit auf, werden weicher und lassen sich anschließend wesentlich schonender entfernen.

Reinigung mit einem Wattestäbchen

Nimm ein sauberes Wattestäbchen.

Befeuchte die Spitze vollständig mit steriler NaCl-0,9-%-Lösung.

Das Wattestäbchen sollte deutlich nass sein und nicht nur leicht angefeuchtet.

Befeuchte damit vorsichtig:

  • den Stichkanaleingang
  • die umgebende Haut
  • den sichtbaren Schmuck
  • vorhandene Blutkrusten
  • vorhandene Sekretkrusten

Wichtig:

Noch nicht sofort wischen oder versuchen, die Kruste zu entfernen.

Jetzt 1 bis 2 Minuten warten

Nachdem die Verkrustungen gründlich mit NaCl 0,9 % befeuchtet wurden, warte ungefähr:

1 bis 2 Minuten.

Diese Zeit ist wichtig.

Die angetrockneten Sekrete müssen genügend Flüssigkeit aufnehmen, damit sie weich werden können.

Erst danach solltest du prüfen, ob sich die Rückstände bereits ohne Kraft lösen lassen.

Wenn die Verkrustung noch fest ist

Eine einmalige Befeuchtung reicht bei fest angetrocknetem Wundsekret häufig nicht aus.

Dann:

  1. erneut reichlich NaCl 0,9 % auftragen
  2. wieder 1 bis 2 Minuten warten
  3. anschließend erneut befeuchten
  4. nochmals 1 bis 2 Minuten warten

Dieser Vorgang kann bei Bedarf zwei- bis dreimal wiederholt werden.

Dadurch wird die Verkrustung schrittweise immer stärker durchfeuchtet.

Das ist besonders wichtig, wenn Sekret:

  • fest am Schmuck haftet
  • Schmuck und Haut miteinander verklebt
  • direkt am Stichkanaleingang sitzt
  • teilweise etwas unter den sichtbaren Hautrand reicht

Der Grundsatz lautet:

Die Verkrustung soll sich lösen – sie soll nicht abgerissen werden.

Sehr hartnäckige Verkrustungen

Bei sehr festen oder größeren Verkrustungen reicht ein Wattestäbchen häufig nicht aus.

Dann sollte besser eine:

sterile Kompresse

verwendet werden.

Tränke die sterile Kompresse großzügig mit NaCl 0,9 %.

Die Kompresse sollte wirklich gut nass sein.

Lege die feuchte Kompresse vorsichtig auf das Piercing und die verkrustete Stelle.

Lass sie ungefähr:

5 Minuten

auf der betroffenen Stelle liegen.

Dabei:

  • keinen starken Druck ausüben
  • nicht reiben
  • nicht wackeln
  • Schmuck nicht drehen
  • Schmuck nicht gegen Widerstand bewegen

Durch die länger anhaltende Feuchtigkeit können auch sehr feste Sekretreste langsam aufweichen.

Danach vorsichtig reinigen

Nach dem Einweichen können bereits gelöste Rückstände vorsichtig entfernt werden.

Dafür eignen sich beispielsweise:

  • eine sterile Kompresse
  • ein gut befeuchtetes sauberes Wattestäbchen

Dabei gilt:

Nur das entfernen, was sich ohne Kraft lösen lässt.

Wenn ein Rückstand noch fest haftet:

  • nicht ziehen
  • nicht kratzen
  • nicht abreißen
  • nicht mit Gewalt weitermachen

Stattdessen erneut mit NaCl 0,9 % einweichen.

Warum Geduld bei der Reinigung so wichtig ist

Wird eine noch feste Kruste zu früh entfernt, kann sie am empfindlichen Heilungsgewebe ziehen.

Dadurch können:

  • Mikroverletzungen entstehen
  • kleine Blutungen auftreten
  • erneut Wundsekret entstehen
  • neue Verkrustungen entstehen
  • die Heilung verlängert werden

Deshalb ist es besser, einige Minuten länger einzuweichen, als eine Kruste in wenigen Sekunden gewaltsam zu entfernen.

Schmuck grundsätzlich möglichst wenig bewegen

Ein frisch gestochenes Piercing sollte während der Heilung grundsätzlich möglichst wenig bewegt werden.

Unnötiges:

  • Drehen
  • Hin- und Herschieben
  • Ziehen
  • Drücken

kann das empfindliche Heilungsgewebe reizen.

Deshalb gilt grundsätzlich:

Schmuck nicht unnötig bewegen.

Warum trotzdem die Stichkanaleingänge kontrolliert werden müssen

In der praktischen Piercing-Nachsorge zeigt sich immer wieder, dass sich Wundsekret nicht ausschließlich außen auf der Haut oder auf dem sichtbaren Teil des Schmucks ablagert.

Kleine Sekretreste können auch:

  • direkt am Stichkanaleingang
  • zwischen Schmuck und Haut
  • unmittelbar etwas unter dem sichtbaren Hautrand

liegen.

Von außen können diese Rückstände kaum sichtbar sein.

Bleiben sie dort und trocknen an, können sie bei späterer Bewegung des Schmucks mechanisch auf das empfindliche Heilungsgewebe einwirken.

Minimales Verschieben nur bei Bedarf

Wenn nach dem gründlichen Einweichen der Verdacht besteht, dass sich direkt am Stichkanaleingang noch Sekret befindet, kann es sinnvoll sein, den Schmuck:

minimal und sehr vorsichtig axial zu verschieben.

Das bedeutet:

  • nicht drehen
  • nicht mehrfach hin- und herschieben
  • nicht gegen Widerstand bewegen
  • nur wenige Millimeter bewegen
  • nur so weit bewegen, wie es zur Sichtkontrolle notwendig ist

Ziel ist ausschließlich, den unmittelbaren Bereich am Stichkanaleingang sichtbar und erreichbar zu machen.

Nur nach vollständigem Einweichen

Bevor der Schmuck überhaupt minimal verschoben wird, müssen vorhandene Verkrustungen gründlich aufgeweicht sein.

Das bedeutet:

  • mit NaCl 0,9 % gut befeuchten
  • 1 bis 2 Minuten warten
  • bei Bedarf erneut befeuchten
  • nochmals 1 bis 2 Minuten warten
  • bei sehr festen Verkrustungen etwa 5 Minuten eine gut getränkte sterile Kompresse auflegen

Erst wenn keine feste Verklebung mehr vorhanden ist, darf der Schmuck bei Bedarf minimal bewegt werden.

Was wird dabei kontrolliert?

Kontrolliert wird ausschließlich der unmittelbare Übergang zwischen:

  • Schmuck
  • Haut
  • Stichkanaleingang

Wenn dort noch aufgeweichte Sekretreste sichtbar werden, können diese vorsichtig mit:

  • einem gut befeuchteten Wattestäbchen
  • oder einer sterilen Kompresse

entfernt werden.

Wie weit darf der Schmuck verschoben werden?

Nur so weit, wie es unbedingt erforderlich ist.

Es geht nicht darum, den gesamten Schmuckstab durch den Stichkanal zu bewegen.

Es geht auch nicht darum, den Stichkanal von innen auszuwischen.

Der Schmuck wird lediglich minimal verschoben, damit der unmittelbar verdeckte Bereich am Stichkanaleingang kontrolliert werden kann.

Wenn sich der Schmuck nicht leicht bewegen lässt

Dann gilt:

Nicht bewegen.

Nicht drücken.

Nicht ziehen.

Nicht drehen.

Nicht gegen Widerstand arbeiten.

Stattdessen:

  • erneut mit NaCl 0,9 % einweichen
  • warten
  • später noch einmal kontrollieren

Gewalt ist bei der Reinigung immer falsch.

Schmuck nicht drehen

Drehen ist für die Reinigung nicht notwendig.

Beim Drehen rotiert der Schmuck innerhalb des heilenden Stichkanals.

Dadurch entsteht zusätzliche Reibung.

Außerdem können kleine Sekretreste am Schmuck über das empfindliche Heilungsgewebe gezogen werden.

Deshalb:

Schmuck nicht drehen.

Schmuck nicht vollständig herausziehen

Der Schmuck sollte während der Heilung nicht eigenständig entfernt werden, nur damit er gereinigt werden kann.

Der sichtbare Schmuck und die unmittelbaren Stichkanaleingänge werden gereinigt.

Der Stichkanal selbst wird nicht mit:

  • Wattestäbchen
  • Instrumenten
  • Fingern
  • Bürsten

mechanisch von innen gereinigt.

Wattestäbchen richtig verwenden

Wattestäbchen können für die gezielte Reinigung hilfreich sein.

Dabei gelten folgende Regeln:

  • nur saubere Wattestäbchen verwenden
  • immer vollständig mit NaCl 0,9 % befeuchten
  • niemals trocken über die Wunde reiben
  • nicht tief in den Stichkanal hineingehen
  • nicht zum Drehen des Schmucks verwenden
  • nur gelöste Rückstände aufnehmen

Wenn sich Fasern vom Wattestäbchen lösen oder am Schmuck hängen bleiben, sollte besser eine sterile Kompresse verwendet werden.

Wie oft sollte das Piercing gereinigt werden?

Als allgemeine Orientierung reichen bei vielen frisch gestochenen Piercings:

2 bis 3 Reinigungen täglich

aus.

Das ist jedoch nur ein Standardwert.

Je nach Piercingstelle, Sekretbildung und mechanischer Belastung kann eine häufigere Reinigung notwendig sein.

Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn:

  • besonders viel Wundsekret entsteht
  • Sekret sehr schnell antrocknet
  • sich Schmuck und Haut zwischen den Reinigungen wieder verkleben
  • die Piercingstelle stärker bewegt oder belastet wird
  • durch die Lage des Piercings häufiger Verschmutzungen entstehen

Wichtig ist dabei:

Es soll so häufig gereinigt werden, dass störende Sekretablagerungen und feste Verklebungen möglichst vermieden werden – ohne das Piercing durch ständiges Reinigen zu überpflegen.

Die genaue Pflegehäufigkeit kann sich je nach Piercing deutlich unterscheiden.

Darauf wird bei den einzelnen Piercingarten noch einmal gesondert eingegangen.

Wenn zwischen den Reinigungen starke Verkrustungen entstehen

Manche Piercings bilden in der frühen Heilungsphase schneller Wundsekret als andere.

Entstehen zwischen zwei Reinigungen bereits starke Verklebungen zwischen Schmuck und Haut, kann es sinnvoll sein, zusätzlich zu reinigen.

Wichtig ist jedoch:

Nicht ständig am Piercing arbeiten.

Es geht darum, problematische Verklebungen zu vermeiden.

Reinigung vor dem Schlafengehen

Besonders in der frühen Heilungsphase kann es sinnvoll sein, das Piercing vor dem Schlafengehen zu kontrollieren.

Dadurch können größere Sekretreste entfernt werden, bevor sie über Nacht vollständig antrocknen.

Das ist besonders bei Piercings sinnvoll, die durch Schlafposition oder Bewegung belastet werden können.

Reinigung nach dem Schlafen

Auch morgens sollte das Piercing zunächst kontrolliert werden.

Über Nacht kann Wundsekret austreten und antrocknen.

Besonders bei:

  • Helix
  • Conch
  • Tragus
  • Bauchnabel
  • Brustwarzenpiercing

können Schmuck und Haut über Nacht miteinander verkleben.

Bevor das Piercing stärker bewegt oder belastet wird, sollten störende Verklebungen zunächst mit NaCl 0,9 % aufgeweicht werden.

Reinigung vor stärkerer mechanischer Belastung

Ist ein Piercing sichtbar stark verklebt, kann es sinnvoll sein, diese Verklebung vor einer stärkeren körperlichen Belastung zu lösen.

Zum Beispiel vor:

  • Sport
  • körperlicher Arbeit
  • Helm tragen
  • enger Kleidung
  • sexuellen Aktivitäten

Das bedeutet nicht, dass vor jeder Aktivität eine komplette Reinigung durchgeführt werden muss.

Es geht darum, zu verhindern, dass eine feste Verklebung bei Bewegung plötzlich am Gewebe abreißt.

Nach dem Duschen

Beim Duschen kann klares Wasser lose Rückstände abspülen.

Achte darauf, dass:

  • Shampoo
  • Duschgel
  • Conditioner
  • Haarpflegeprodukte
  • Cremes

nicht unnötig in den frischen Stichkanal gelangen.

Nach dem Duschen sollten sichtbare Produktreste entfernt werden.

Baden, Schwimmbad und Whirlpool

Ein frisches Piercing sollte nicht unnötig über längere Zeit in möglicherweise mikrobiell belastetem Wasser eingeweicht werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Badewanne
  • Schwimmbad
  • Whirlpool
  • Badesee

Die genaue Empfehlung hängt auch von der Piercingstelle und der Heilungsphase ab.

Nach der Reinigung trocknen

Nach der Reinigung sollte keine dauerhaft feuchte Umgebung entstehen.

Überschüssige Flüssigkeit kann vorsichtig entfernt werden.

Dabei nicht reiben.

Geeignet sind beispielsweise:

  • sterile Kompresse
  • vorsichtiges Lufttrocknen

Dauerhafte Feuchtigkeit kann Haut und Wundränder aufweichen und zusätzliche Irritationen begünstigen.

Nicht überpflegen

Mehr Reinigung bedeutet nicht automatisch bessere Heilung.

Zu häufiges:

  • Berühren
  • Wischen
  • Reiben
  • Einweichen
  • Bewegen des Schmucks
  • Desinfizieren

kann das Gewebe ebenfalls reizen.

Eine bewusste Überpflege ist deshalb nicht sinnvoll.

Was gehört nicht zur normalen Basisreinigung?

Zur täglichen Standardreinigung eines unkompliziert heilenden Piercings gehören nicht automatisch:

  • Wasserstoffperoxid
  • Alkohol
  • aggressive Desinfektionsmittel
  • Teebaumöl
  • Salben
  • Antibiotika
  • mehrere verschiedene Pflegeprodukte gleichzeitig

Diese Produkte haben andere Wirkungen und teilweise auch Risiken.

Sie werden deshalb gesondert erklärt.

NaCl 0,9 % ersetzt keine Behandlung einer Infektion

Sterile Kochsalzlösung eignet sich sehr gut zur mechanischen Reinigung.

Sie ersetzt jedoch keine medizinische Behandlung einer tatsächlichen Infektion.

Bei:

  • deutlich zunehmenden Schmerzen
  • starker Überwärmung
  • rasch zunehmender Schwellung
  • sich ausbreitender Rötung
  • eitrigem Sekret
  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • ausgeprägtem Krankheitsgefühl

sollte eine mögliche Infektion fachlich beziehungsweise ärztlich beurteilt werden.

Wenn das Piercing immer wieder stark verkrustet

Entstehen trotz regelmäßiger schonender Reinigung ständig neue starke Verklebungen, sollte nicht einfach nur immer häufiger gereinigt werden.

Dann sollte nach der Ursache gesucht werden.

Mögliche Ursachen sind:

  • Druck
  • Schlafen auf dem Piercing
  • zu kurzer Schmuck
  • ungeeignete Schmuckposition
  • häufige Bewegung
  • Hängenbleiben
  • dauerhafte Feuchtigkeit
  • anhaltende Irritation
  • wiederholte Mikroverletzungen

Starke oder ständig wiederkehrende Sekretbildung kann ein Hinweis darauf sein, dass das Piercing weiterhin gereizt wird.

Das Ziel einer guten Reinigung

Eine gute Piercingpflege soll einen möglichst ruhigen Heilungsverlauf ermöglichen.

Das Gewebe braucht:

  • Sauberkeit
  • möglichst wenig Reibung
  • möglichst wenig Druck
  • möglichst wenig unnötige Bewegung
  • passenden Schmuck
  • Zeit

Merke

Für die Basisreinigung: sterile isotonische Kochsalzlösung NaCl 0,9 %.

NaCl 0,9 % ist kein Desinfektionsmittel.

Einweichen statt abkratzen.

Nach dem ersten Befeuchten 1 bis 2 Minuten warten.

Bei festen Verkrustungen erneut befeuchten und wieder 1 bis 2 Minuten warten.

Bei Bedarf zwei- bis dreimal wiederholen.

Bei sehr hartnäckigen Verkrustungen eine gut mit NaCl 0,9 % getränkte sterile Kompresse etwa 5 Minuten auflegen.

Nur weiche und gelöste Rückstände entfernen.

Schmuck grundsätzlich nicht unnötig bewegen.

Schmuck nicht drehen.

Sitzt Sekret direkt am Stichkanaleingang oder leicht unter dem sichtbaren Hautrand, darf der Schmuck nach vollständigem Einweichen minimal und vorsichtig verschoben werden, um diesen Bereich kontrollieren und reinigen zu können.

Nie gegen Widerstand bewegen.

Nicht tief im Stichkanal mechanisch reinigen.

2 bis 3 Reinigungen täglich sind ein allgemeiner Standardwert. Je nach Piercing kann eine häufigere Reinigung notwendig sein.

Mehr Pflege ist nicht automatisch bessere Pflege.


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