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Das Lymphsystem – Aufbau und Funktion
Das Lymphsystem ist ein wichtiger Bestandteil des:
Immunsystems und des Flüssigkeitshaushalts des Körpers.
Es besteht unter anderem aus:
- Lymphkapillaren,
- größeren Lymphgefäßen,
- Lymphknoten,
- lymphatischen Organen.
Zu den lymphatischen Organen gehören beispielsweise:
- Milz,
- Thymus,
- Mandeln,
- lymphatisches Gewebe der Schleimhäute.
Für Piercings sind besonders relevant:
Lymphgefäße und regionale Lymphknoten.
Welche Aufgaben hat das Lymphsystem?
Das Lymphsystem erfüllt mehrere wichtige Funktionen.
Dazu gehören:
- Rücktransport von Gewebsflüssigkeit in den Blutkreislauf,
- Transport von Eiweißen und anderen Stoffen,
- Beteiligung an der Immunabwehr,
- Transport von Immunzellen,
- Filterung von Lymphe in den Lymphknoten,
- Aufnahme bestimmter Nahrungsfette aus dem Darm.
Blutkreislauf und Lymphsystem arbeiten zusammen
Aus den Blutkapillaren tritt ständig Flüssigkeit in das umliegende Gewebe über.
Ein großer Teil dieser Flüssigkeit wird wieder direkt in den Blutkreislauf aufgenommen.
Ein Teil verbleibt jedoch zunächst im:
Zwischenzellraum / Interstitium.
Diese Flüssigkeit wird von kleinsten Lymphgefäßen aufgenommen.
Ab diesem Zeitpunkt bezeichnet man sie als:
Lymphe.
Was ist Lymphe?
Lymphe ist eine meist klare bis leicht gelbliche Körperflüssigkeit.
Sie enthält unter anderem:
- Wasser,
- Elektrolyte,
- Proteine,
- Stoffwechselprodukte,
- Immunzellen.
Die Zusammensetzung unterscheidet sich abhängig von:
- Körperregion,
- Gewebesituation,
- Entzündung,
- Immunaktivität.
Mehr dazu:
Lymphe ist nicht dasselbe wie Wundsekret
Bei Piercings wird austretende Flüssigkeit häufig pauschal als:
„Lymphe“
bezeichnet.
Das ist medizinisch oft zu ungenau.
Aus einem frischen Piercing kann:
Wundexsudat
austreten.
Dieses entsteht im Rahmen der lokalen Wund- und Entzündungsreaktion und kann Bestandteile enthalten wie:
- Wasser,
- Plasmaeiweiße,
- Immunzellen,
- Zellreste.
Wundexsudat und Lymphe hängen mit dem Flüssigkeitshaushalt des Gewebes zusammen, sind aber nicht identisch.
Deshalb sollte nicht jede klare oder gelbliche Flüssigkeit am Piercing automatisch als:
Lymphflüssigkeit
bezeichnet werden.
Lymphkapillaren
Die kleinsten Lymphgefäße werden als:
Lymphkapillaren
bezeichnet.
Sie beginnen blind im Gewebe.
Ihre Aufgabe besteht darin, überschüssige Flüssigkeit und andere Bestandteile aus dem Zwischenzellraum aufzunehmen.
Von dort gelangt die Lymphe in immer größere:
Lymphgefäße.
Lymphgefäße
Lymphgefäße transportieren die Lymphe durch den Körper.
Sie besitzen teilweise:
Klappen,
die den gerichteten Transport unterstützen.
Der Lymphtransport wird unter anderem gefördert durch:
- Bewegung der Muskulatur,
- Druckveränderungen bei der Atmung,
- Eigenkontraktion größerer Lymphgefäße.
Mehr dazu:
Lymphknoten
Auf dem Weg durch das Lymphsystem passiert die Lymphe zahlreiche:
Lymphknoten.
Lymphknoten sind kleine lymphatische Organe.
Sie dienen unter anderem der:
- Filterung der Lymphe,
- Erkennung körperfremder Strukturen,
- Aktivierung von Immunzellen,
- Vermehrung bestimmter Abwehrzellen.
Was passiert im Lymphknoten?
Gelangen mit der Lymphe:
- Mikroorganismen,
- Zellbestandteile,
- Antigene,
- Entzündungssignale
in einen Lymphknoten, kann dort eine Immunreaktion ausgelöst werden.
Dabei können sich Immunzellen vermehren und aktiviert werden.
Der Lymphknoten kann dadurch:
vorübergehend größer werden.
Warum können Lymphknoten anschwellen?
Eine Vergrößerung eines Lymphknotens wird als:
Lymphadenopathie
bezeichnet.
Bei einer entzündlichen beziehungsweise immunologischen Reaktion spricht man häufig von:
reaktiver Lymphknotenschwellung.
Ein regionaler Lymphknoten kann anschwellen, wenn in seinem Einzugsgebiet:
- eine Wunde,
- Entzündung,
- Infektion,
- starke Immunreaktion
vorliegt.
Können Lymphknoten nach einem neuen Piercing anschwellen?
Ja.
Ein frisches Piercing ist zunächst eine:
Wunde mit lokaler Entzündungs- und Immunreaktion.
Dabei können Antigene, Zellbestandteile und Entzündungssignale über die Lymphbahnen zu den regionalen Lymphknoten transportiert werden.
Dadurch kann ein zuständiger Lymphknoten vorübergehend:
- tastbar,
- leicht vergrößert,
- etwas druckempfindlich
werden.
Eine solche reaktive Lymphknotenschwellung bedeutet:
nicht automatisch eine bakterielle Infektion.
Regionale Lymphknoten
Welche Lymphknoten auf ein Piercing reagieren können, hängt von der Körperregion ab.
Beispiele:
Ohr- und Gesichtspiercings
→ Lymphknoten:
- vor dem Ohr,
- hinter dem Ohr,
- unter dem Kiefer,
- am Hals
können reagieren.
Lippen- und Oralpiercings
→ insbesondere:
- Unterkieferregion,
- Halsregion.
Brustwarzenpiercing
→ insbesondere:
- axilläre Lymphknoten in der Achsel.
Piercings im Genitalbereich
→ insbesondere:
- inguinale Lymphknoten in der Leiste.
Mehr dazu:
Ein Lymphknoten liegt nicht direkt am Piercing
Lymphknoten befinden sich normalerweise:
nicht unmittelbar neben dem Stichkanal.
Eine kleine Beule direkt neben einem Piercing ist deshalb in der Regel kein:
„Lymphknoten“.
Je nach Befund kann es sich beispielsweise handeln um:
- Schwellung,
- Granulationsgewebe,
- Hypergranulation,
- Irritationsbeule,
- Abszess,
- Drainagegang,
- andere Gewebeveränderung.
Ein echter Lymphknoten liegt anatomisch in typischen Lymphknotenregionen.
Lymphknoten nicht mit Fistel oder Drainagegang verwechseln
Ein:
geschwollener Lymphknoten
ist ein lymphatisches Organ.
Eine:
Fistel
ist eine pathologische Gangverbindung.
Ein:
Drainagegang
ist ein pathologischer Abflussweg aus einem tiefer liegenden Gewebebereich.
Diese drei Befunde sind anatomisch und funktionell völlig unterschiedlich.
Siehe:
Reaktive Lymphknotenschwellung
Eine reaktive Lymphknotenschwellung entsteht, wenn das Immunsystem auf Vorgänge im zugehörigen Gewebegebiet reagiert.
Mögliche Ursachen sind:
- frische Wunde,
- lokale Entzündung,
- bakterielle Infektion,
- virale Infektion,
- andere Immunreaktionen.
Nach einem Piercing kann eine leichte regionale Lymphknotenreaktion deshalb grundsätzlich vorkommen.
Wann ist eine Lymphknotenschwellung eher harmlos?
Eher mit einer reaktiven Immunantwort vereinbar ist beispielsweise:
- leichte Vergrößerung,
- weiche bis elastische Konsistenz,
- leichte Druckempfindlichkeit,
- zeitlicher Zusammenhang mit dem neuen Piercing,
- keine ausgeprägten Allgemeinsymptome.
Auch hier gilt:
Eine sichere Beurteilung ist allein anhand einzelner Merkmale nicht immer möglich.
Wann sollte eine Lymphknotenschwellung genauer beurteilt werden?
Eine medizinische Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn ein Lymphknoten:
- deutlich größer wird,
- stark schmerzt,
- über längere Zeit vergrößert bleibt,
- sehr hart wirkt,
- schlecht verschieblich ist,
- mit deutlichen Infektionszeichen am Piercing verbunden ist,
- von Fieber begleitet wird,
- mit einer starken Allgemeinverschlechterung einhergeht.
Lymphadenitis
Ein entzündeter Lymphknoten wird als:
Lymphadenitis
bezeichnet.
Dabei kann der Lymphknoten:
- deutlich anschwellen,
- schmerzhaft werden,
- druckempfindlich sein.
Eine Lymphadenitis kann beispielsweise im Zusammenhang mit einer bakteriellen Infektion im zugehörigen Lymphabflussgebiet auftreten.
Siehe:
Lymphangitis
Eine:
Lymphangitis
ist eine Entzündung der Lymphgefäße.
Sie kann im Zusammenhang mit einer bakteriellen Infektion entstehen.
Typischerweise können sichtbar werden:
rötliche, streifenförmige Veränderungen,
die sich vom Entzündungsbereich in Richtung regionaler Lymphknoten ausbreiten können.
Umgangssprachlich wird dies manchmal als:
„Blutvergiftungsstreifen“
bezeichnet.
Diese Bezeichnung ist medizinisch ungenau.
Eine Lymphangitis ist jedoch ein ernst zu nehmender Befund und sollte ärztlich abgeklärt werden.
Siehe:
Lymphangitis ist nicht automatisch Sepsis
Eine sichtbare Lymphangitis bedeutet nicht automatisch:
Sepsis.
Sie zeigt jedoch, dass sich eine Infektion entlang der Lymphbahnen ausbreiten kann.
Unbehandelte bakterielle Infektionen können in schweren Fällen weiter fortschreiten.
Deshalb sollte eine vermutete Lymphangitis:
zeitnah medizinisch beurteilt werden.
Lymphödem
Wenn der Abfluss von Lymphe dauerhaft gestört ist, kann sich Flüssigkeit im Gewebe ansammeln.
Dies bezeichnet man als:
Lymphödem.
Ein Lymphödem ist nicht mit der normalen kurzfristigen Schwellung eines frisch gestochenen Piercings gleichzusetzen.
Mehr dazu:
Schwellung am Piercing ist nicht automatisch ein Lymphödem
Eine lokale Schwellung nach einem frischen Piercing entsteht überwiegend durch:
- Entzündungsmediatoren,
- erhöhte Gefäßdurchlässigkeit,
- Flüssigkeitsaustritt ins Gewebe,
- lokale Immunreaktion.
Das ist zunächst Teil der normalen Wundheilung.
Ein echtes Lymphödem beruht dagegen auf einer:
Störung des lymphatischen Abflusses.
Was passiert bei einem frischen Piercing?
Durch den Piercingvorgang entsteht eine kontrollierte Gewebeverletzung.
Darauf reagiert der Körper mit:
- Blutstillung,
- Entzündungsreaktion,
- Einwanderung von Immunzellen,
- Bildung von Wundexsudat,
- Aktivierung regionaler Immunstrukturen.
Das Lymphsystem unterstützt dabei unter anderem:
- Abtransport von überschüssiger Gewebeflüssigkeit,
- Transport von Antigenen,
- Aktivierung der Immunantwort.
Das Lymphsystem gehört zur normalen Wundheilung
Die Aktivität des Lymphsystems nach einem Piercing ist deshalb grundsätzlich:
normal und notwendig.
Nicht jede:
- Schwellung,
- Lymphknotenreaktion,
- Sekretbildung
bedeutet automatisch eine Komplikation.
Wann kann eine Infektion dahinterstecken?
Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn gleichzeitig auftreten:
- zunehmende Rötung,
- zunehmende Überwärmung,
- zunehmende Schmerzen,
- Eiter,
- rasch zunehmende Schwellung,
- schmerzhafte Lymphknoten,
- Fieber,
- Schüttelfrost,
- rote streifenförmige Veränderungen.
Dann muss eine bakterielle Infektion beziehungsweise Ausbreitung über das Lymphsystem berücksichtigt werden.
Das Lymphsystem transportiert Immuninformationen
Eine wichtige Aufgabe des Lymphsystems besteht darin, Material aus dem Gewebe zu regionalen Lymphknoten zu transportieren.
Dazu gehören beispielsweise:
- Antigene,
- Zellbestandteile,
- Mikroorganismen beziehungsweise deren Bestandteile.
In den Lymphknoten kann dadurch eine spezifische Immunantwort aktiviert werden.
Welche Immunzellen befinden sich in Lymphknoten?
Lymphknoten enthalten unter anderem:
- B-Lymphozyten,
- T-Lymphozyten,
- Makrophagen,
- dendritische Zellen.
Diese Zellen sind wichtig für:
- Erkennung von Antigenen,
- Aktivierung der Immunantwort,
- Antikörperbildung,
- Steuerung weiterer Abwehrreaktionen.
Warum wird ein Lymphknoten größer?
Bei einer Immunreaktion kann im Lymphknoten unter anderem stattfinden:
- Aktivierung von Immunzellen,
- Vermehrung von Lymphozyten,
- verstärkte Durchblutung,
- Zunahme zellulärer Aktivität.
Dadurch kann der Lymphknoten:
anschwellen.
Das ist zunächst ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem aktiv ist.
Nicht an Lymphknoten herumdrücken
Geschwollene Lymphknoten sollten nicht ständig:
- gedrückt,
- massiert,
- wiederholt stark abgetastet
werden.
Häufiges Manipulieren kann selbst zusätzliche:
- Druckempfindlichkeit,
- lokale Reizung
verursachen.
Lymphknoten nicht selbst behandeln
Eine Lymphknotenschwellung wird nicht dadurch behandelt, dass der Lymphknoten selbst:
- eingecremt,
- desinfiziert,
- massiert
wird.
Entscheidend ist die Frage:
Warum reagiert der Lymphknoten?
Bei einem Piercing muss deshalb insbesondere die lokale Situation beurteilt werden.
Zusammenhang mit Knorpelpiercings
Bei einer ausgeprägten Infektion eines Knorpelpiercings können auch regionale Lymphknoten reagieren.
Bei gleichzeitigen Zeichen einer:
- Perichondritis,
- eitrigen Infektion,
- deutlichen Lymphknotenschwellung,
- Fieber
sollte eine medizinische Abklärung erfolgen.
Siehe:
Schnellübersicht
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Lymphsystem gehört zum Immunsystem | ja |
| Lymphsystem transportiert Gewebsflüssigkeit ab | ja |
| Lymphknoten filtern Lymphe | ja |
| Lymphknoten enthalten Immunzellen | ja |
| Lymphknoten können nach einem Piercing reagieren | ja |
| geschwollener Lymphknoten bedeutet automatisch bakterielle Infektion | nein |
| kleine Beule direkt neben dem Piercing ist normalerweise ein Lymphknoten | nein |
| Wundsekret ist exakt dasselbe wie Lymphe | nein |
| Lymphadenitis bedeutet Entzündung eines Lymphknotens | ja |
| Lymphangitis betrifft Lymphgefäße | ja |
| Lymphangitis bedeutet automatisch Sepsis | nein |
| starke Lymphknotenreaktion mit Fieber sollte abgeklärt werden | ja |
Der wichtigste Grundsatz
Das Lymphsystem ist ein wichtiger Bestandteil:
der Immunabwehr und des Flüssigkeitshaushalts.
Nach einem neuen Piercing kann es deshalb zu einer vorübergehenden Aktivierung regionaler Lymphknoten kommen.
Eine leichte reaktive Lymphknotenschwellung kann Teil der Immunantwort sein und bedeutet:
nicht automatisch eine bakterielle Infektion.
Werden Lymphknoten jedoch:
- deutlich größer,
- stark schmerzhaft,
- dauerhaft vergrößert
oder treten gleichzeitig:
- Eiter,
- starke lokale Entzündung,
- Fieber,
- Schüttelfrost,
- rote streifenförmige Veränderungen
auf, sollte eine Infektion beziehungsweise Beteiligung des Lymphsystems medizinisch abgeklärt werden.
