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Hypertrophe Narbe am Piercing

Eine hypertrophe Narbe ist überschießendes Narbengewebe, das sich nach einer Verletzung bilden kann.

Auch nach einem Piercing kann sich im Bereich des Stichkanals eine solche Narbenveränderung entwickeln.

Wichtig:

Eine hypertrophe Narbe ist nicht dasselbe wie Hypergranulation, Irritationsbeule oder Keloid.

Was ist eine hypertrophe Narbe?

Bei einer hypertrophen Narbe bildet der Körper während der Narbenreifung übermäßig viel Binde- und Kollagengewebe.

Dadurch wird die Narbe:

Der entscheidende Unterschied zum Keloid:

Eine hypertrophe Narbe bleibt innerhalb der Grenzen der ursprünglichen Verletzung.

Sie wächst also nicht deutlich über den ursprünglichen Wundbereich hinaus.

Hypertrophe Narben können sich im Laufe der Zeit wieder abflachen oder teilweise zurückbilden.

Wie kann eine hypertrophe Narbe aussehen?

Typische Merkmale können sein:

Im Gegensatz zu Hypergranulation ist eine hypertrophe Narbe normalerweise nicht ständig feucht und blutet nicht bereits bei leichter Berührung.

Wann entsteht eine hypertrophe Narbe?

Eine hypertrophe Narbe entwickelt sich nicht unmittelbar nach dem Stechen.

Sie entsteht während des weiteren Heilungs- und Umbauprozesses des Gewebes.

Das Gewebe produziert dabei mehr Kollagen beziehungsweise Narbenmatrix, als für eine unauffällige Narbe notwendig wäre.

Welche Faktoren können Narbenbildung begünstigen?

Die Entstehung einer hypertrophen Narbe ist von mehreren Faktoren abhängig.

Eine Rolle können unter anderem spielen:

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede länger gereizte Piercingstelle automatisch eine hypertrophe Narbe entwickelt.

Welche Rolle spielt mechanische Belastung?

Wiederholte mechanische Belastung kann die Wundheilung verlängern und die Gewebereaktion verstärken.

Dazu gehören beispielsweise:

Die mechanischen Zusammenhänge werden ausführlich hier erklärt:

➡️ Reizung, mechanische Belastung und Schwellung

Hypertrophe Narbe oder Irritationsbeule?

Eine Irritationsbeule entsteht häufig im Zusammenhang mit einer noch bestehenden mechanischen Reizung.

Sie kann sich relativ deutlich verändern, wenn die Belastung:

Eine hypertrophe Narbe besteht dagegen aus bereits gebildetem Narbengewebe.

Sie wirkt häufig:

➡️ Irritationsbeule / Reizknubbel

Hypertrophe Narbe oder Hypergranulation?

Hypergranulation besteht aus überschießendem Granulationsgewebe.

Sie ist häufig:

Eine hypertrophe Narbe besteht dagegen aus Narbengewebe und ist meist:

➡️ Hypergranulation

Hypertrophe Narbe oder Keloid?

Diese beiden Veränderungen werden besonders häufig miteinander verwechselt.

Beide bestehen aus überschießendem Narbengewebe.

Der wichtigste klinische Unterschied ist:

Hypertrophe Narbe

→ bleibt innerhalb der ursprünglichen Verletzungsgrenze.

Keloid

→ wächst über die ursprüngliche Verletzungsgrenze hinaus.

Hypertrophe Narben können außerdem im Laufe der Zeit teilweise zurückgehen oder flacher werden.

Keloide zeigen dagegen typischerweise ein stärker anhaltendes beziehungsweise über die ursprüngliche Wunde hinausgehendes Wachstum.

➡️ Keloid

Kann man das immer sicher am Aussehen unterscheiden?

Nicht immer.

Gerade in frühen Stadien können sich:

ähnlich sehen.

Bei deutlichem Wachstum oder unklarer Veränderung sollte deshalb nicht ausschließlich anhand eines Fotos diagnostiziert werden.

Ist eine hypertrophe Narbe gefährlich?

Eine hypertrophe Narbe ist grundsätzlich eine gutartige Narbenveränderung.

Sie kann jedoch:

Bei Piercings kann zusätzlich relevant sein, ob die Verdickung die Lage oder Beweglichkeit des Schmucks beeinflusst.

Kann eine hypertrophe Narbe wieder kleiner werden?

Ja.

Hypertrophe Narben können sich während der Narbenreifung:

Dieser Prozess kann jedoch Monate oder länger dauern.

Eine vollständige spontane Rückbildung kann nicht garantiert werden. Hypertrophe Narben bleiben definitionsgemäß innerhalb der ursprünglichen Wundgrenzen und zeigen häufiger eine spätere Regression als Keloide. :chatgpt-content-reference{index=„0“}

Sollte man eine hypertrophe Narbe ausdrücken oder aufstechen?

Nein.

Narbengewebe enthält keine Flüssigkeit, die ausgedrückt werden müsste.

Eine hypertrophe Narbe sollte nicht:

werden.

Dadurch würde eine neue Verletzung entstehen und möglicherweise zusätzliche Narbenbildung ausgelöst.

Wasserstoffperoxid entfernt keine hypertrophe Narbe

Wasserstoffperoxid kann Narbengewebe nicht gezielt beseitigen.

Es kann stattdessen gesundes beziehungsweise heilendes Gewebe zusätzlich schädigen.

➡️ Warum Wasserstoffperoxid bei heilenden Piercings problematisch ist

Was sollte bei einer Verdickung zuerst kontrolliert werden?

Bevor eine Veränderung als hypertrophe Narbe bezeichnet wird, sollte geprüft werden:

Für die Unterscheidung verschiedener Piercingknubbel:

➡️ Granulom, Hypergranulation oder Irritationsbeule – was ist der Unterschied?

Wann sollte ein Piercer kontrollieren?

Eine professionelle Kontrolle ist sinnvoll, wenn:

Wann sollte ein Arzt oder Hautarzt kontrollieren?

Eine medizinische beziehungsweise dermatologische Abklärung ist sinnvoll, wenn:

Für hypertrophe Narben stehen je nach Befund verschiedene medizinische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Welche Therapie geeignet ist, sollte individuell ärztlich entschieden werden.

Merke

Eine hypertrophe Narbe besteht aus überschießendem Narbengewebe.

Sie bleibt innerhalb der Grenzen der ursprünglichen Verletzung.

Sie ist keine Hypergranulation.

Sie ist keine Irritationsbeule.

Sie ist kein Granulom.

Sie unterscheidet sich vom Keloid vor allem dadurch, dass ein Keloid über die ursprüngliche Verletzungsgrenze hinauswächst.

Hypertrophe Narben können im Laufe der Zeit flacher und unauffälliger werden.


Weiterführende Themen

⬅️ Zurück: Unterschiede der Gewebeveränderungen

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Weitere mögliche Veränderungen

➡️ Wundwasserblase / Sekretblase

➡️ Granulationsgewebe

➡️ Hypergranulation

➡️ Irritationsbeule / Reizknubbel

➡️ Granulom

➡️ Keloid

➡️ Abszess

➡️ Fistel / Fistelgang

➡️ Infektion erkennen