Ein Drainagegang ist ein:
pathologischer Abflussweg von einem tiefer liegenden Entzündungs- oder Eiterherd zur Haut- oder Schleimhautoberfläche.
Medizinisch wird hierfür häufig der Begriff:
Sinusgang / sinus tract / draining sinus tract
verwendet.
Ein solcher Gang kann beispielsweise entstehen, wenn sich:
aus einem tiefer liegenden Gewebebereich einen Weg nach außen sucht.
Ein Drainagegang kann deshalb neben einem Piercing als:
zusätzliche kleine Öffnung mit wiederkehrendem Sekretaustritt
sichtbar werden.
Wichtig:
Ein Drainagegang ist nicht automatisch eine Fistel.
Beide Befunde können äußerlich sehr ähnlich aussehen und deshalb miteinander verwechselt werden.
Ein Sinus- beziehungsweise Drainagegang ist ein abnormer Kanal, der von einer Haut- oder Schleimhautoberfläche zu einem tiefer liegenden entzündlichen beziehungsweise eitrigen Herd führt.
Charakteristisch ist die Funktion als:
Abflussweg für entzündliches Material.
Der Gang kann mit einem:
zusammenhängen.
Ein möglicher Ablauf ist:
1. Entzündung
Im oder neben dem Piercingkanal entsteht eine tiefere entzündliche Reaktion.
2. Sekretbildung
Im Gewebe sammelt sich:
3. Druckentwicklung
Kann das Sekret nicht ausreichend über den eigentlichen Piercingkanal abfließen, kann sich Druck im Gewebe aufbauen.
4. Ausbreitung im Gewebe
Das Sekret kann sich entlang eines Bereiches geringeren Gewebewiderstandes ausbreiten.
5. Durchbruch zur Haut
Der entzündliche Prozess kann schließlich die Hautoberfläche erreichen.
Dadurch entsteht:
eine zusätzliche Öffnung neben dem eigentlichen Piercing.
Über diese Öffnung kann das Sekret anschließend abfließen.
Wenn sich ein tiefer liegender entzündlicher Bereich nach außen öffnet, kann der Abfluss vorübergehend:
Das kann den Eindruck vermitteln:
„Das Problem ist jetzt abgeheilt.“
Das muss jedoch nicht stimmen.
Der ursprüngliche Entzündungsherd kann weiterhin bestehen.
Ein Drainagegang kann beispielsweise von einem:
Abszess
ausgehen.
Ein Abszess ist eine abgekapselte Eiteransammlung im Gewebe.
Erhöht sich der Druck innerhalb eines solchen Bereiches, kann sich der Eiter:
einen Weg zur Hautoberfläche suchen.
Dadurch kann ein Drainagegang entstehen.
Siehe:
Öffnet sich ein Abszess spontan nach außen, kann:
Trotzdem können im Gewebe noch vorhanden sein:
Deshalb ist ein spontaner Sekretabfluss nicht automatisch gleichbedeutend mit vollständiger Ausheilung.
Mögliche Erscheinungsformen sind:
Manchmal ist zusätzlich unter der Haut:
tastbar.
Diese Befunde sind jedoch nicht spezifisch.
Aus einem Drainagegang können unterschiedliche Flüssigkeiten austreten.
Dazu gehören:
Die Farbe allein erlaubt keine sichere Aussage über die Ursache.
Bei Piercings wird austretende Flüssigkeit häufig pauschal als:
„Lymphe“
bezeichnet.
Das ist medizinisch zu ungenau.
Aus einem entzündlichen Drainagegang tritt meist:
Wund- beziehungsweise Entzündungsexsudat
aus.
Dieses kann unter anderem enthalten:
Siehe:
Die sichtbare Öffnung kann nur:
wenige Millimeter oder sogar deutlich kleiner
sein.
Die Größe der äußeren Öffnung sagt jedoch wenig darüber aus:
Eine kleine Öffnung bedeutet deshalb nicht automatisch ein kleines Problem.
Ein typisches Muster kann sein:
Öffnung → Sekretaustritt → Verschluss → erneute Schwellung → erneute Öffnung.
Das kann passieren, wenn die oberflächliche Hautöffnung verheilt, während tiefer im Gewebe weiterhin:
besteht.
Steigt der Druck erneut, kann der Gang wieder aufbrechen.
Besteht ein Drainagegang über längere Zeit, kann daraus eine zunehmend stabile Gangstruktur werden.
Der Gang kann:
Je länger ein solcher Gang besteht, desto schwieriger kann die terminologische Abgrenzung zu einer:
Fistel
werden.
Diese beiden Begriffe werden in der Praxis häufig verwechselt.
Ein:
Drainagegang / Sinusgang
beschreibt primär einen:
Abflussweg von einem tieferen Entzündungsherd zur Oberfläche.
Eine:
Fistel
beschreibt im engeren medizinischen Sinn eine:
pathologische Verbindung zwischen zwei anatomischen beziehungsweise epithelialisierten Strukturen.
Siehe:
Drainagegang oder Fistel – Unterschiede und Verwechslungsgefahr
Beide können:
Allein durch Betrachten der äußeren Öffnung lässt sich deshalb häufig nicht sicher unterscheiden:
Drainagegang oder Fistel?
In unterschiedlichen medizinischen Fachgebieten werden Begriffe wie:
nicht immer vollkommen einheitlich verwendet.
Chronische Sinusgänge können zudem epithelialisiert sein.
Deshalb sollte die Diagnose nicht allein von der Bezeichnung abhängig gemacht werden.
Entscheidend ist:
Wo beginnt der Gang und womit steht er in Verbindung?
Der eigentliche Piercingkanal wurde:
gezielt durch den Piercingvorgang angelegt.
Ein Drainagegang entsteht dagegen:
pathologisch infolge eines entzündlichen oder anderen Gewebeprozesses.
Eine zusätzliche Öffnung neben einem bestehenden Piercing sollte deshalb nicht automatisch als weiterer Piercingkanal betrachtet werden.
Ein Drainagegang kann im Zusammenhang stehen mit:
Nicht jeder chronische Drainageprozess beginnt ausschließlich durch Bakterien.
Mechanische Faktoren können das Gewebe dauerhaft schädigen.
Dazu gehören:
Dadurch kann eine chronische Entzündung entstehen, auf die sich zusätzlich eine bakterielle Infektion aufsetzen kann.
Siehe:
Piercingschmuck ist ein dauerhaft im Gewebe befindlicher:
Fremdkörper.
Das bedeutet nicht, dass Schmuck automatisch einen Drainagegang verursacht.
Bei einem problematischen Piercing können jedoch zusammenkommen:
Diese Kombination kann chronische Probleme begünstigen.
Bei chronisch problematischen Piercings kann ein:
Biofilm
eine Rolle spielen.
Mikroorganismen können sich auf:
ansiedeln.
Ein Drainagegang beweist jedoch nicht automatisch das Vorliegen eines Biofilms.
Siehe:
Ja.
Gerade bei chronischer Drainage kann der Druck im Gewebe durch den offenen Abfluss gering sein.
Dadurch können:
sein.
Das bedeutet nicht automatisch, dass kein chronischer Entzündungsherd besteht.
Solange der Gang offen ist, kann Sekret abfließen.
Verschließt sich die Öffnung, während tiefer weiterhin Sekret produziert wird, kann:
Druck entstehen.
Dann können plötzlich zunehmen:
Öffnet sich der Gang anschließend erneut, kann wieder Sekret austreten und der Druck zurückgehen.
Es sollte nicht versucht werden, eine chronisch drainierende Öffnung ausschließlich durch:
zum Schließen zu bringen, ohne die zugrunde liegende Ursache zu kennen.
Wenn tiefer weiterhin Sekret produziert wird, kann ein oberflächlicher Verschluss den Abfluss behindern.
Ein Drainagegang sollte nicht:
werden.
Das kann:
Es sollte nicht versucht werden, den Gang mit:
zu verfolgen.
Die sichtbare Öffnung erlaubt keine sichere Aussage über:
Eine unsachgemäße Sondierung kann zusätzliche Verletzungen verursachen.
Auch bei einem Drainagegang gibt es keine allgemeine Regel:
„Schmuck immer entfernen.“
Ebenso falsch wäre:
„Schmuck immer belassen.“
Zu beurteilen sind:
Siehe:
Piercingschmuck bei einer bakteriellen Infektion entfernen oder belassen?
Der Schmuck kann zumindest indirekt beteiligt sein.
Beispielsweise durch:
Der eigentliche Grund für die Gangbildung muss deshalb immer zusammen mit der mechanischen Situation beurteilt werden.
Bei einem Drainagegang mit:
kann eine mikrobiologische Untersuchung sinnvoll sein.
Dazu gehören gegebenenfalls:
Siehe:
Ein oberflächlicher Abstrich aus der Öffnung kann:
erfassen.
Das Ergebnis muss deshalb klinisch interpretiert werden.
Bei einem tiefer liegenden Abszess kann direkt gewonnenes Eitermaterial aussagekräftiger sein als ein reiner Oberflächenabstrich.
Wenn unklar ist:
kann ärztlich gegebenenfalls eine bildgebende Untersuchung sinnvoll sein.
Möglich ist beispielsweise:
Sonografie.
Abhängig von Lokalisation und Befund können weitere Untersuchungsverfahren erforderlich sein.
Mit Ultraschall kann unter Umständen erkannt werden:
Ein sehr kleiner Drainagegang muss jedoch nicht vollständig sonografisch darstellbar sein.
Der Drainagegang ist häufig:
nicht die eigentliche Erkrankung.
Er kann vielmehr Folge eines darunterliegenden Problems sein.
Beispiele:
Wird nur die äußere Öffnung behandelt, kann der Gang erneut entstehen.
Ja.
Wenn die zugrunde liegende Ursache beseitigt ist und:
kann sich der Gang schließen.
Ein chronisch bestehender Gang kann jedoch hartnäckiger sein.
Eine medizinische Beurteilung ist besonders sinnvoll bei:
Besonders ernst zu nehmen sind:
Bei einem Knorpelpiercing gelten zusätzlich die Warnzeichen einer:
Perichondritis.
Siehe:
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Drainagegang = automatisch Fistel | nein |
| Drainagegang kann von einem Abszess ausgehen | ja |
| zusätzliche Hautöffnung kann Sekret ableiten | ja |
| kleiner Hautpunkt bedeutet automatisch kleinen Gang | nein |
| spontan ablaufender Eiter bedeutet sichere Heilung | nein |
| Drainagegang kann sich wiederholt öffnen und schließen | ja |
| chronischer Drainagegang kann epithelialisiert werden | ja |
| Drainagegang beweist automatisch Biofilm | nein |
| Drainagegang darf ausgedrückt werden | nein |
| Drainagegang selbst sondieren | nein |
| Ursache muss zusätzlich behandelt werden | ja |
| chronischer Gang kann ärztliche Diagnostik benötigen | ja |
Ein Drainagegang ist nicht einfach:
„ein zweites Loch neben dem Piercing“.
Er kann darauf hinweisen, dass ein tiefer liegender Bereich:
Sekret oder Eiter zur Hautoberfläche ableitet.
Besonders wichtig ist deshalb die Frage:
Woher kommt der Gang?
Mögliche Ursachen sind unter anderem:
Ein Drainagegang kann äußerlich nahezu genauso aussehen wie eine Fistel.
Deshalb gilt:
Eine zusätzliche chronisch nässende Öffnung sollte nicht allein anhand ihres Aussehens als Fistel bezeichnet werden.
Entscheidend ist die anatomische und klinische Ursache des Ganges.