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Lymphgefäße

Lymphgefäße sind die Transportwege des:

Lymphsystems.

Sie nehmen überschüssige Flüssigkeit aus dem Gewebe auf und transportieren sie zusammen mit:

durch das lymphatische Gefäßsystem.

Am Ende wird die Lymphe wieder dem:

venösen Blutkreislauf

zugeführt.

Wo beginnen Lymphgefäße?

Das Lymphgefäßsystem beginnt mit sehr kleinen:

Lymphkapillaren.

Diese liegen nahezu überall im Körpergewebe und beginnen:

blind im Gewebe.

Das bedeutet:

Sie besitzen keinen geschlossenen Kreislauf wie Blutgefäße.

Stattdessen nehmen sie Flüssigkeit direkt aus dem:

Zwischenzellraum / Interstitium

auf.

Lymphkapillaren

Lymphkapillaren sind sehr feine Gefäße.

Ihre Wände bestehen aus einer dünnen Schicht von:

Endothelzellen.

Diese Gefäßwände sind so aufgebaut, dass Flüssigkeit und bestimmte größere Bestandteile aus dem Gewebe aufgenommen werden können.

Dazu gehören beispielsweise:

Warum können auch größere Moleküle aufgenommen werden?

Lymphkapillaren besitzen eine andere Struktur als Blutkapillaren.

Die Endothelzellen überlappen teilweise miteinander.

Bei erhöhtem Gewebedruck können sich diese Bereiche öffnen und die Aufnahme von:

erleichtern.

Dadurch erfüllt das Lymphsystem eine wichtige Funktion beim:

Abtransport von Stoffen aus dem Gewebe.

Von der Lymphkapillare zum größeren Lymphgefäß

Die aufgenommenen Flüssigkeiten gelangen zunächst in:

Lymphkapillaren.

Diese vereinigen sich zu größeren:

Lymphgefäßen.

Der Transportweg kann vereinfacht dargestellt werden als:

Gewebe

↓

Lymphkapillaren

↓

Sammelgefäße

↓

regionale Lymphknoten

↓

größere Lymphstämme

↓

venöser Blutkreislauf

Lymphgefäße besitzen Klappen

Viele größere Lymphgefäße besitzen:

Klappen.

Diese funktionieren ähnlich wie Venenklappen.

Sie helfen dabei, einen:

gerichteten Flüssigkeitstransport

zu gewährleisten.

Dadurch soll verhindert werden, dass die Lymphe innerhalb des Gefäßes ständig zurückfließt.

Das Lymphsystem besitzt keine zentrale Pumpe

Anders als der Blutkreislauf besitzt das Lymphsystem:

kein Herz als zentrale Pumpe.

Der Transport der Lymphe wird durch mehrere Mechanismen unterstützt.

Dazu gehören:

Eigenbewegung der Lymphgefäße

Größere Lymphgefäße besitzen glatte Muskelzellen in ihren Gefäßwänden.

Diese können sich rhythmisch zusammenziehen.

Dadurch entstehen einzelne funktionelle Abschnitte, sogenannte:

Lymphangione.

Sie unterstützen den aktiven Weitertransport der Lymphe.

Muskelpumpe

Bei Bewegung ziehen sich Muskeln zusammen.

Dadurch wird Druck auf benachbarte Lymphgefäße ausgeübt.

Die Lymphe wird dadurch weitergeschoben.

Klappen helfen, einen Rückfluss zu verhindern.

Dieser Mechanismus wird als:

Muskelpumpe

bezeichnet.

Atmung unterstützt den Lymphtransport

Auch die Atmung beeinflusst den Lymphfluss.

Durch Druckunterschiede zwischen:

wird der Transport in größeren Lymphgefäßen unterstützt.

Vor allem die tiefen zentralen Lymphgefäße profitieren von diesen Druckveränderungen.

Wo fließt die Lymphe hin?

Die Lymphe wird über größere Lymphgefäße zu:

Lymphknoten

transportiert.

Dort wird sie immunologisch kontrolliert.

Anschließend fließt sie weiter über größere Lymphstämme und schließlich zurück in den:

venösen Blutkreislauf.

Die beiden großen Lymphgänge

Der überwiegende Teil der Lymphe wird über den:

Ductus thoracicus

abgeleitet.

Ein kleinerer Bereich des rechten Oberkörpers wird über den:

rechten Lymphgang

drainiert.

Beide münden schließlich im Bereich großer Venen nahe dem:

venösen Winkel

in den Blutkreislauf.

Was ist der venöse Winkel?

Der venöse Winkel ist der Bereich, in dem sich:

vereinigen.

Hier wird die Lymphe wieder in das:

Blutgefäßsystem

eingeleitet.

Lymphgefäße und Lymphknoten

Lymphgefäße transportieren die Lymphe nicht direkt ohne Unterbrechung zum Blutkreislauf.

Auf ihrem Weg passiert die Lymphe zahlreiche:

Lymphknoten.

In diesen wird sie immunologisch überwacht.

Siehe:

Lymphknoten – Aufbau und Funktion

Zuführende und abführende Lymphgefäße

Ein Lymphknoten besitzt:

zuführende Lymphgefäße

und:

abführende Lymphgefäße.

Zuführende Gefäße bringen Lymphe in den Lymphknoten.

Abführende Gefäße transportieren sie wieder heraus.

Dadurch kann die Lymphe während des Durchflusses intensiv mit:

Immunzellen

in Kontakt kommen.

Warum sind Lymphgefäße für Piercings relevant?

Ein Piercing erzeugt eine:

lokale Gewebeverletzung.

Dadurch entstehen:

Ein Teil dieser Stoffe kann über die:

Lymphgefäße

zu regionalen Lymphknoten transportiert werden.

Reaktion nach einem frischen Piercing

In der frühen Heilungsphase kann die lokale Entzündungsreaktion dazu führen, dass:

Das ist grundsätzlich ein Teil der normalen:

Wundheilungs- und Immunreaktion.

Lymphgefäße transportieren keine „Piercingflüssigkeit“ nach außen

Ein häufiger Irrtum ist die Vorstellung:

„Lymphgefäße führen die Flüssigkeit aus dem Piercing nach außen ab.“

Das ist falsch.

Lymphgefäße transportieren Flüssigkeit:

aus dem Gewebe in Richtung zentraler Lymphbahnen und Blutkreislauf.

Das Sekret, das an der Piercingöffnung sichtbar austritt, ist typischerweise:

Wundexsudat.

Siehe:

Lymphe – Entstehung und Aufgabe

Verletzung kleiner Lymphgefäße beim Piercen

Da Lymphkapillaren nahezu überall im Gewebe vorkommen, können bei einem Piercing auch kleine lymphatische Gefäße verletzt werden.

Das ist bei einer üblichen Gewebeverletzung grundsätzlich möglich.

Solche kleinen Verletzungen werden normalerweise im Rahmen der:

normalen Wundheilung

repariert.

Das bedeutet nicht automatisch, dass eine relevante Schädigung des Lymphsystems entsteht.

Führt ein normales Piercing zu einem Lymphödem?

In der Regel nicht.

Ein gewöhnliches Piercing verletzt üblicherweise nicht so viele Lymphgefäße, dass dadurch ein chronisch gestörter Lymphabfluss entsteht.

Ein echtes:

Lymphödem

beruht auf einer deutlicheren beziehungsweise anhaltenden Störung des lymphatischen Abflusses.

Siehe:

Lymphödem und gestörter Lymphabfluss

Besondere Situation bei bereits gestörtem Lymphabfluss

Eine andere Situation kann bestehen, wenn der Lymphabfluss bereits vorgeschädigt ist.

Das kann beispielsweise vorkommen nach:

Dann kann die Reserve des Lymphsystems in der betroffenen Region reduziert sein.

Ein Piercing in einem solchen Gebiet sollte deshalb individuell medizinisch beurteilt werden.

Lymphgefäße und Infektionen

Bei einer bakteriellen Infektion können:

über das lymphatische System weitertransportiert werden.

Dadurch können regionale:

Lymphknoten

reagieren.

Lymphangitis

Eine Entzündung der Lymphgefäße wird als:

Lymphangitis

bezeichnet.

Sie tritt häufig im Zusammenhang mit einer bakteriellen Infektion auf.

Mögliche Zeichen sind:

Siehe:

Lymphangitis – Entzündung der Lymphbahnen

Warum entstehen bei Lymphangitis rote Streifen?

Bei einer oberflächlichen Lymphangitis können entzündete Lymphgefäße beziehungsweise das darüberliegende Gewebe als:

rötliche streifenförmige Veränderungen

sichtbar werden.

Diese können sich vom Infektionsherd in Richtung regionaler Lymphknoten erstrecken.

Roter Streifen bedeutet nicht automatisch Sepsis

Umgangssprachlich werden rote Streifen manchmal als:

„Blutvergiftung“

bezeichnet.

Das ist fachlich nicht korrekt.

Ein roter Streifen kann auf eine:

Lymphangitis

hinweisen.

Eine Lymphangitis kann jedoch Ausdruck einer sich ausbreitenden bakteriellen Infektion sein und sollte deshalb:

zeitnah ärztlich abgeklärt werden.

Lymphgefäße und Drainagegang sind nicht dasselbe

Ein:

Drainagegang

ist kein Lymphgefäß.

Er ist ein pathologisch entstandener Gewebekanal, der beispielsweise:

Sekret oder Eiter aus einem tieferen Entzündungsherd an die Oberfläche ableitet.

Ein Lymphgefäß ist dagegen Teil des normalen anatomischen:

Lymphsystems.

Siehe:

Drainagegang am Piercing

Lymphgefäße und Fistel sind nicht dasselbe

Auch eine:

Fistel

ist kein normales Lymphgefäß.

Eine Fistel ist eine:

pathologische Verbindung zwischen anatomischen Strukturen beziehungsweise Oberflächen.

Siehe:

Fistel am Piercing

Können Lymphgefäße selbst Flüssigkeit verlieren?

Ja.

Wenn größere Lymphgefäße verletzt werden, kann echte Lymphe austreten.

Dies wird als:

Lymphorrhö beziehungsweise Lymphorrhoe

bezeichnet.

Das tritt eher nach:

auf.

Bei einem gewöhnlichen Piercing ist eine anhaltende echte Lymphorrhö:

nicht der typische Verlauf.

Chylus

Lymphe aus dem Darm kann nach der Fettaufnahme besonders fettreich sein.

Diese milchig erscheinende Lymphe wird als:

Chylus

bezeichnet.

Sie wird über spezielle Lymphgefäße des Darms aufgenommen und letztlich über den:

Ductus thoracicus

dem Blutkreislauf zugeführt.

Für normale Piercingprobleme spielt Chylus praktisch keine Rolle.

Warum kann Lymphfluss nicht durch Schmuckbewegung verbessert werden?

Ein manchmal verbreiteter Irrtum lautet:

„Das Piercing muss bewegt werden, damit die Lymphe abfließen kann.“

Das ist falsch.

Der lymphatische Abfluss erfolgt über:

Lymphgefäße im Gewebe

und nicht durch den Piercingkanal.

Das Drehen oder Hin- und Herbewegen des Schmucks kann dagegen:

Deshalb sollte Schmuck während der Heilung nicht unnötig bewegt werden.

Schwellung bedeutet nicht automatisch gestörten Lymphfluss

Eine normale frühe Piercingschwellung entsteht hauptsächlich durch:

Das Lymphsystem versucht gleichzeitig, überschüssige Flüssigkeit wieder abzutransportieren.

Eine vorübergehende Schwellung bedeutet deshalb nicht automatisch:

Lymphstau.

Wann spricht man von Lymphstau?

Von einem relevanten lymphatischen Abflussproblem spricht man, wenn das Lymphsystem die anfallende Flüssigkeit nicht ausreichend abtransportieren kann.

Dadurch entsteht eine:

anhaltende Gewebeschwellung.

Ein chronischer Zustand kann als:

Lymphödem

bezeichnet werden.

Lymphgefäße können regionale Immunreaktionen vermitteln

Bei einer lokalen Entzündung werden über Lymphgefäße nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Informationen über das Geschehen im Gewebe transportiert.

Dazu gehören:

Diese gelangen zu regionalen Lymphknoten und können dort die Immunantwort aktivieren.

Beispiel: Ohrpiercing

Nach einem frischen Ohrpiercing entstehen lokal:

Über regionale Lymphbahnen kann Material zu Lymphknoten im Bereich:

transportiert werden.

Deshalb können dort in einzelnen Fällen:

reaktive Lymphknotenschwellungen

auftreten.

Beispiel: Oralpiercing

Bei einem Lippen- oder Zungenpiercing können lymphatische Drainagewege insbesondere zu:

führen.

Welche Lymphknoten tatsächlich reagieren, hängt von der genauen:

Piercingposition und individuellen Anatomie

ab.

Beispiel: Brustwarzenpiercing

Lymphflüssigkeit aus dem Brustbereich wird zu einem großen Teil zu:

axillären Lymphknoten

transportiert.

Es bestehen jedoch auch weitere lymphatische Drainagewege.

Deshalb sollte die Lymphdrainage nicht als einfaches:

„eine Region = ein Lymphknoten“

verstanden werden.

Lymphabfluss überlappt

Lymphatische Drainagegebiete sind:

nicht immer scharf voneinander getrennt.

Es bestehen:

Deshalb können bei derselben Piercingstelle unterschiedliche regionale Lymphknoten reagieren.

Schnellübersicht

Aussage Einordnung
Lymphgefäße beginnen blind im Gewebe ja
Lymphkapillaren nehmen Gewebsflüssigkeit auf ja
größere Lymphgefäße besitzen häufig Klappen ja
das Lymphsystem besitzt ein eigenes Herz nein
Muskelbewegung unterstützt den Lymphtransport ja
Atmung unterstützt den Lymphtransport ja
Lymphe passiert regionale Lymphknoten ja
Piercingsekret wird durch Lymphgefäße nach außen transportiert nein
kleine Lymphgefäße können beim Piercen verletzt werden ja
normales Piercing führt typischerweise zu Lymphödem nein
Drainagegang ist ein Lymphgefäß nein
Fistel ist ein Lymphgefäß nein
Entzündung der Lymphgefäße heißt Lymphangitis ja
Schmuck muss zur Verbesserung des Lymphflusses bewegt werden nein

Der wichtigste Grundsatz

Lymphgefäße sind ein:

natürliches Transportsystem des Körpers.

Sie nehmen überschüssige Gewebsflüssigkeit auf und transportieren diese über regionale Lymphknoten zurück in den:

venösen Blutkreislauf.

Bei einem Piercing können kleine Lymphkapillaren wie andere mikroskopische Gewebestrukturen mitverletzt werden.

Das gehört normalerweise zur üblichen Wundreaktion und bedeutet nicht automatisch:

eine Schädigung des Lymphsystems.

Wichtig ist außerdem:

Der Piercingkanal selbst dient nicht als Lymphabfluss.

Sichtbare Flüssigkeit am Piercing ist in der Regel besser als:

Wundexsudat

zu bezeichnen.

Erst eine ausgeprägte oder anhaltende Störung des lymphatischen Abflusses führt zu einem echten:

Lymphödem.


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