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Knorpelpiercings – Besonderheiten des Knorpelgewebes

Piercings durch den Ohrknorpel unterscheiden sich deutlich von Piercings durch weiches Gewebe wie beispielsweise das Ohrläppchen.

Der wichtigste Unterschied:

Knorpel besitzt nur eine sehr geringe eigene Blutversorgung.

Das Knorpelgewebe wird wesentlich über das unmittelbar anliegende Perichondrium – die Knorpelhaut – versorgt.

Diese besondere Anatomie beeinflusst:

Wie ist der Ohrknorpel aufgebaut?

Die Ohrmuschel besteht überwiegend aus elastischem Knorpel.

Dieser Knorpel gibt dem Ohr:

Der Knorpel selbst enthält nur sehr wenige Blutgefäße.

Er wird von einer bindegewebigen Schicht umgeben:

dem Perichondrium.

Das Perichondrium liegt normalerweise eng am Knorpel an und spielt eine wichtige Rolle bei dessen Versorgung.

Darüber befinden sich – abhängig von der jeweiligen Stelle des Ohres – unterschiedlich dicke Schichten aus Bindegewebe und Haut.

Warum ist die Knorpelhaut so wichtig?

Da das Knorpelgewebe nur begrenzt direkt durchblutet wird, ist seine Versorgung besonders vom angrenzenden Perichondrium abhängig.

Wird diese Verbindung beispielsweise durch:

gestört, kann auch die Versorgung des darunterliegenden Knorpels beeinträchtigt werden.

In schweren Fällen kann dies zu einer Schädigung oder sogar zum Absterben von Knorpelgewebe führen.

Weitere Informationen:

Perichondritis

Knorpelnekrose

Was passiert beim Piercen des Knorpels?

Bei einem Knorpelpiercing wird nicht nur die Haut durchstochen.

Die Piercingnadel passiert:

Dadurch entsteht ein Stichkanal durch mehrere unterschiedliche Gewebeschichten.

Bereits das Piercen selbst verursacht eine kontrollierte mechanische Verletzung.

Histologische Untersuchungen an Ohrknorpel zeigen, dass um einen Piercingkanal unter anderem:

auftreten können.

Diese unmittelbare Verletzung ist nicht automatisch eine Komplikation. Sie erklärt jedoch, warum Knorpelpiercings besonders sorgfältig vor zusätzlichem Trauma geschützt werden sollten.

Warum reagieren Knorpelpiercings empfindlich auf Druck?

Knorpel ist belastbar, aber nicht unbegrenzt druckresistent.

Besonders problematisch ist anhaltender oder immer wiederkehrender Druck.

Typische Beispiele sind:

Solche Belastungen können nicht nur die Haut reizen.

Sie können Kräfte über den Schmuck direkt auf:

übertragen.

Warum ist wiederholte Belastung problematisch?

Ein einzelner leichter Druck verursacht nicht automatisch einen Knorpelschaden.

Problematisch wird es insbesondere, wenn eine Belastung:

auf dieselbe Stelle einwirkt.

Dann können:

Bei ungünstiger Anatomie oder sehr schmalen Knorpelbereichen kann außerdem die tragende Gewebebrücke zunehmend geschwächt werden.

Weitere Informationen:

Druck, Zug und mechanische Belastung von Knorpel

Warum können Knorpelpiercings lange empfindlich bleiben?

Ein Piercing kann äußerlich bereits ruhig aussehen, während die tieferen Gewebeschichten noch nicht vollständig stabilisiert sind.

Das gilt besonders bei Knorpelpiercings.

Der neu entstehende Stichkanal muss sich:

Deshalb bedeutet:

„Außen sieht alles gut aus“

nicht automatisch:

„Das Piercing ist vollständig belastbar.“

Auch ein weitgehend unauffälliges Knorpelpiercing kann auf starken Druck oder wiederholtes Trauma erneut reagieren.

Knorpel ist nicht überall gleich dick

Die Ohrmuschel besitzt eine komplexe dreidimensionale Anatomie.

Knorpeldicke, Krümmung und verfügbare Gewebemenge unterscheiden sich erheblich zwischen einzelnen Bereichen.

Beispiele sind:

Auch zwischen verschiedenen Menschen kann dieselbe Piercingstelle anatomisch sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.

Deshalb kann eine Piercingposition bei einer Person ausreichend stabiles Gewebe besitzen, bei einer anderen Person dagegen nur eine sehr schmale Gewebebrücke.

Warum ist die Anatomie für die Stabilität wichtig?

Ein Piercing benötigt ausreichend stabiles Gewebe um den Stichkanal.

Besonders bei:

kann der Abstand zwischen Stichkanal und freier Knorpelkante relativ gering sein.

Wenn dort zusätzlich:

auftreten, kann die tragende Gewebestruktur geschwächt werden.

Das Piercing kann dann zunehmend oberflächlicher liegen.

Weitere Informationen:

Knorpelschädigung bei Ohrpiercings

Migration bei Knorpelpiercings

Tragus und Forward Helix – besondere Risiken

Strukturelle Schädigung oder normale Reizung?

Nicht jede Rötung oder Schwellung bedeutet, dass der Knorpel beschädigt wurde.

Eine vorübergehende Reizung kann beispielsweise entstehen durch:

Bei einer strukturellen Veränderung können dagegen zusätzliche Zeichen auftreten:

Siehe:

Reizung, Infektion oder strukturelle Knorpelschädigung?

Knorpelwulst ist nicht automatisch „Wildfleisch“

Eine Verdickung am Knorpelpiercing wird umgangssprachlich häufig als:

bezeichnet.

Diese Begriffe beschreiben jedoch nicht automatisch dieselbe Gewebeveränderung.

Hinter einer sichtbaren Wulst können beispielsweise stehen:

Deshalb sollte zunächst geklärt werden, welches Gewebe tatsächlich verändert ist.

Weitere Informationen:

Knorpelwulst – Verdickung und Verformung am Ohrknorpel

Infektionen am Knorpel sind besonders ernst zu nehmen

Bei einer Infektion eines Knorpelpiercings kann sich die Entzündung auf das Perichondrium ausbreiten.

Dies wird als:

Perichondritis

bezeichnet.

Kommt es zusätzlich zu einer Eiteransammlung zwischen Perichondrium und Knorpel, kann das Perichondrium vom Knorpel abgehoben werden.

Dadurch kann dessen Versorgung beeinträchtigt werden.

Mögliche Folgen schwerer Verläufe sind:

Infektionen nach transkartilaginären Ohrpiercings können schwerer verlaufen als Infektionen im weichen Ohrläppchen.

Weitere Informationen:

Perichondritis

Abszessbildung am Knorpel

Pseudomonas bei Knorpelpiercings

Welche Piercings gehören zu den Knorpelpiercings?

Typische Ohrpiercings mit Beteiligung von Knorpel sind unter anderem:

Die genaue mechanische Belastung und das Komplikationsrisiko unterscheiden sich jedoch je nach Anatomie und Position.

Was schützt ein Knorpelpiercing während der Heilung?

Besonders wichtig sind:

Das Ziel besteht darin, dem empfindlichen Heilungsgewebe möglichst stabile Bedingungen zu geben.

Wann sollte genauer hingesehen werden?

Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn:

Bei deutlichen Entzündungszeichen oder einer raschen Verschlechterung sollte eine ärztliche Beurteilung erfolgen.

Siehe:

Warnzeichen bei Knorpelpiercings

Warnzeichen – wann ärztlich abklären?

Der wichtigste Grundsatz

Knorpel ist kein gewöhnliches Weichgewebe.

Seine geringe direkte Blutversorgung und die Bedeutung des Perichondriums machen ihn besonders empfindlich gegenüber:

Gleichzeitig bedeutet nicht jede Reizung automatisch eine Knorpelschädigung.

Entscheidend ist die Entwicklung:

Wird das Piercing ruhiger und stabiler – oder verändern sich Gewebedicke, Position und Form zunehmend?


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