Eine Chondritis ist eine Entzündung des eigentlichen Knorpelgewebes.
Im Zusammenhang mit Piercings betrifft sie vor allem Knorpelbereiche der Ohrmuschel, beispielsweise nach:
Eine Chondritis ist medizinisch deutlich ernster zu bewerten als eine einfache oberflächliche Reizung des Piercings.
Die Begriffe werden im Alltag häufig miteinander vermischt.
Sie bezeichnen jedoch unterschiedliche anatomische Strukturen.
Perichondritis
= Entzündung des Perichondriums, also der Knorpelhaut.
Chondritis
= Entzündung des eigentlichen Knorpelgewebes.
In der Praxis können beide Erkrankungen ineinander übergehen beziehungsweise gleichzeitig auftreten.
Eine schwere Perichondritis kann sich auf den darunterliegenden Knorpel ausweiten und dadurch eine Chondritis verursachen.
Mehr dazu:
Knorpel unterscheidet sich deutlich von gut durchblutetem Weichteilgewebe.
Ohrknorpel besitzt keine eigene direkte Blutversorgung.
Seine Versorgung erfolgt überwiegend über:
Wird das Perichondrium durch eine Entzündung, einen Abszess oder eine Gewebeablösung geschädigt, kann die Versorgung des darunterliegenden Knorpels beeinträchtigt werden.
Dadurch steigt das Risiko für:
Beim Piercen durch Ohrknorpel werden:
durchdrungen.
Dadurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen der Hautoberfläche und tiefer gelegenen Gewebestrukturen.
Gelangen Mikroorganismen in diesen Bereich, kann zunächst eine lokale Infektion entstehen.
Ein möglicher Verlauf ist:
Knorpelpiercing
↓
lokale bakterielle Infektion
↓
Perichondritis
↓
Ausbreitung auf das Knorpelgewebe
↓
Chondritis
↓
mögliche Knorpelnekrose und Deformierung
Dieser Verlauf tritt nicht bei jedem entzündeten Knorpelpiercing auf, zeigt aber, warum eine fortschreitende Entzündung frühzeitig medizinisch beurteilt werden sollte.
Eine Chondritis kann durch bakterielle Infektionen begünstigt werden.
Mögliche Risikofaktoren im Piercingbereich sind:
Bei Infektionen nach transkartilaginären Ohrpiercings ist besonders wichtig:
Pseudomonas aeruginosa
Dieser gramnegative Umweltkeim wird in der medizinischen Literatur besonders häufig im Zusammenhang mit:
nach Ohrknorpelpiercings beschrieben.
Mehr dazu:
In einer systematischen Auswertung publizierter Fälle von Infektionen nach transkartilaginären Ohrpiercings war Pseudomonas aeruginosa der häufigste identifizierte Erreger.
Das zeigt:
Bei einer schweren Infektion eines Knorpelpiercings muss Pseudomonas medizinisch mit berücksichtigt werden.
Die Erregerbestimmung sollte jedoch nicht anhand des Aussehens oder der Farbe des Sekrets erfolgen.
Neben Pseudomonas aeruginosa können auch andere Bakterien beteiligt sein.
Dazu gehören beispielsweise:
Welche Bakterien tatsächlich beteiligt sind, kann nur mikrobiologisch zuverlässig bestimmt werden.
Eine Chondritis kann sich unter anderem zeigen durch:
Zusätzlich können auftreten:
Eine unkomplizierte Piercingwunde sollte im Verlauf grundsätzlich eher weniger empfindlich werden.
Wenn dagegen:
muss an eine fortschreitende Infektion gedacht werden.
Bei einer ausgeprägten Infektion kann sich Eiter zwischen:
ansammeln.
Dadurch kann das Perichondrium vom Knorpel abgehoben werden.
Dies ist besonders problematisch, weil dadurch die Versorgung des Knorpels beeinträchtigt werden kann.
Mögliche Folgen sind:
Eine der schwerwiegendsten Folgen einer fortgeschrittenen Chondritis ist die:
Knorpelnekrose
Dabei stirbt Knorpelgewebe ab.
Das abgestorbene Gewebe kann seine ursprüngliche Form und Funktion nicht mehr vollständig erhalten.
Mehr dazu:
Durch:
kann sich die Form der Ohrmuschel dauerhaft verändern.
Mögliche Folgen sind:
Eine solche Veränderung kann dauerhaft sein.
Bei Infektionen nach Knorpelpiercings kann Zeit eine wichtige Rolle spielen.
Eine systematische Auswertung von Fällen nach transkartilaginären Ohrpiercings zeigte, dass eine längere Dauer der Beschwerden vor medizinischer Vorstellung mit ungünstigeren Verläufen und häufiger notwendiger Krankenhausbehandlung verbunden war.
Deshalb sollte eine deutlich fortschreitende Entzündung nicht über mehrere Tage ausschließlich mit Pflegeprodukten behandelt werden.
Nach einem frischen Knorpelpiercing können zunächst auftreten:
Das kann Teil der normalen frühen Heilungsreaktion sein.
Verdächtig sind dagegen:
Entscheidend ist nicht allein das Vorhandensein eines Symptoms, sondern insbesondere dessen Entwicklung im Verlauf.
Eine lokale Irritationsbeule oder Hypergranulation ist keine Chondritis.
Typische lokale Veränderungen wie:
sind in der Regel deutlich lokaler begrenzt.
Eine Chondritis betrifft dagegen das eigentliche Knorpelgewebe und kann mit einer deutlich ausgeprägteren Entzündungsreaktion einhergehen.
Die Diagnose einer Chondritis gehört in den medizinischen Bereich.
Je nach Befund können erforderlich sein:
Gerade bei Knorpelinfektionen kann die genaue Erregerbestimmung wichtig sein.
Ein Antibiogramm kann zeigen, gegenüber welchen Antibiotika ein nachgewiesener Erreger:
ist.
Mehr dazu:
Nicht jedes Antibiotikum deckt Pseudomonas aeruginosa ab.
Wird eine schwere Knorpelinfektion ausschließlich mit einem Antibiotikum behandelt, gegen das der Erreger nicht empfindlich ist, kann die Infektion fortschreiten.
Deshalb sind:
für die ärztliche Therapieentscheidung wichtig.
Mehr dazu:
Eine echte Chondritis ist keine typische Piercing-Nachsorgeproblematik mehr.
Die Behandlung gehört in ärztliche beziehungsweise HNO-ärztliche Betreuung.
Je nach Schweregrad können erforderlich sein:
Die konkrete Therapie richtet sich nach dem klinischen Befund.
Bei einer Knorpelinfektion sollte Schmuck nicht pauschal und unkontrolliert entfernt werden.
Zu berücksichtigen sind unter anderem:
In manchen Situationen kann eine Entfernung notwendig sein.
In anderen Situationen kann ein vorschneller Verschluss des Stichkanals problematisch sein.
Die Entscheidung sollte deshalb bei schwerer Knorpelinfektion medizinisch getroffen werden.
Mehr dazu:
Piercingschmuck bei einer bakteriellen Infektion entfernen oder belassen?
Bei Verdacht auf eine Chondritis sollte ein Piercer:
Besonders dringlich ist die Abklärung bei:
Eine schnelle medizinische Beurteilung ist insbesondere erforderlich bei:
Eine Chondritis ist eine Entzündung des eigentlichen Knorpelgewebes.
Sie kann sich aus einer zunächst lokalen Infektion beziehungsweise Perichondritis entwickeln.
Bei Ohrknorpelpiercings ist besonders wichtig:
Die entscheidende Gefahr besteht nicht in einer leichten lokalen Rötung, sondern in einer fortschreitenden Infektion des Perichondriums und des Knorpelgewebes.
Eine verspätete Behandlung kann zu:
führen.