====== Tyrosur Wundheilgel bei Piercings ====== Tyrosur Wundheilgel ist ein Arzneimittel zur Behandlung bestimmter oberflächlicher bakteriell infizierter Wunden. Der Wirkstoff ist: **Tyrothricin 1 mg/g** Tyrosur ist damit kein normales Piercing-Pflegeprodukt und keine allgemeine Wundspüllösung. Es handelt sich um ein lokal angewendetes antibakterielles Arzneimittel. ===== Wofür ist Tyrosur vorgesehen? ====== Tyrosur Wundheilgel wird zur lindernden Behandlung von: **kleinflächigen, oberflächlichen und wenig nässenden Wunden mit bakterieller Superinfektion durch Tyrothricin-empfindliche Erreger** eingesetzt. Der Begriff: **bakterielle Superinfektion** ist dabei der Fachbegriff aus der offiziellen Anwendungsbeschreibung. Gemeint ist: **Eine bereits vorhandene Wunde wird zusätzlich durch Bakterien infiziert.** Das bedeutet nicht automatisch, dass eine besonders schwere oder gefährliche Infektion vorliegt. Bei Tyrosur bezieht sich diese Anwendung ausdrücklich auf: * kleinflächige, * oberflächliche, * wenig nässende Wunden mit einer zusätzlichen bakteriellen Infektion durch Tyrothricin-empfindliche Erreger. Im weiteren Text wird deshalb überwiegend die verständlichere Formulierung: **oberflächliche bakterielle Infektion** verwendet. ===== Was bedeutet das bei einem Piercing? ====== Ein frisches Piercing ist zunächst eine bewusst gesetzte Wunde. Während der normalen Heilung können auftreten: * leichte Rötung, * leichte Schwellung, * Druckempfindlichkeit, * geringe Nachblutung, * Wundsekret, * Krustenbildung. Diese Erscheinungen bedeuten nicht automatisch, dass eine bakterielle Infektion vorliegt. Tyrosur sollte deshalb nicht allein verwendet werden, weil ein Piercing: * leicht gerötet, * leicht geschwollen, * empfindlich, * verkrustet ist. Solche Erscheinungen können auch durch normale Heilung oder mechanische Reizung entstehen. ===== Was ist Tyrothricin? ====== Tyrothricin ist ein lokal antibakteriell wirksamer Wirkstoff. Er besteht aus antimikrobiell wirksamen Peptiden und wirkt vor allem gegen: **grampositive Bakterien.** Dazu gehören insbesondere verschiedene: * Staphylokokken, * Streptokokken. Tyrothricin wird lokal auf der Haut angewendet. Es ist nicht mit einem systemisch eingesetzten Antibiotikum gleichzusetzen. ===== Gegen welche Bakterien wirkt Tyrothricin? ====== Die klinisch wichtigste antibakterielle Wirkung von Tyrothricin richtet sich gegen: **grampositive, Tyrothricin-empfindliche Bakterien.** Dazu zählen insbesondere verschiedene: * Staphylokokken, * Streptokokken. Die Aussage: **„Tyrothricin wirkt ausschließlich gegen grampositive Bakterien“** wäre jedoch zu absolut. Für einzelne gramnegative Bakterien beziehungsweise gramnegative Kokken wurden ebenfalls Empfindlichkeiten beschrieben. Gegen viele klinisch relevante gramnegative Erreger ist die Wirkung jedoch deutlich eingeschränkt oder nicht ausreichend. ===== Warum ist das bei Piercings besonders wichtig? ====== Bei Piercinginfektionen kommen nicht ausschließlich grampositive Bakterien vor. Je nach: * Körperregion, * Umgebung, * Feuchtigkeit, * Art des Piercings können auch gramnegative Erreger beteiligt sein. Deshalb darf aus der Anwendung von Tyrosur nicht geschlossen werden: **„Damit ist jede bakterielle Piercinginfektion antibiotisch abgedeckt.“** Das ist nicht der Fall. ===== Tyrosur und Pseudomonas ====== Besonders wichtig ist diese Einschränkung bei Knorpelpiercings. Hier kann: **Pseudomonas aeruginosa** als gramnegativer Erreger eine wichtige Rolle spielen. Bei einer: * Perichondritis, * starken Knorpelentzündung, * ausgeprägten eitrigen Infektion ist Tyrosur deshalb kein verlässlicher Ersatz für eine gezielte medizinische Behandlung. Eine solche Infektion kann eine systemische Antibiotikatherapie mit einem geeigneten Erregerspektrum erforderlich machen. Siehe: [[knorpel:pseudomonas|Pseudomonas bei Knorpelpiercings]] [[probleme:perichondritis|Perichondritis]] [[produkte:antibiotika_knorpel|Antibiotika bei Knorpelpiercing-Infektionen]] ===== Tyrosur ist kein universelles Mittel für jede Piercinginfektion ====== Nicht jede bakterielle Piercinginfektion wird durch Tyrothricin-empfindliche Erreger verursacht. Bei Piercings können je nach Lokalisation unterschiedliche Mikroorganismen beteiligt sein. Dazu können unter anderem gehören: * Staphylokokken, * Streptokokken, * Pseudomonas aeruginosa, * orale Mischflora, * weitere gramnegative Bakterien. Deshalb muss immer berücksichtigt werden, ob das Wirkspektrum von Tyrothricin zur vermuteten Infektion passt. ===== Tyrosur bei einem oberflächlich entzündeten Piercing ====== Bei einer tatsächlich: * kleinflächigen, * oberflächlichen, * wenig nässenden, * bakteriell infizierten Wundsituation kann Tyrosur grundsätzlich in den Bereich seiner vorgesehenen Anwendung fallen. Entscheidend ist jedoch, dass die Entzündung wirklich oberflächlich ist. Ein tiefer entzündeter Piercingkanal entspricht nicht automatisch diesem Anwendungsprofil. ===== Ein Piercingkanal ist keine einfache Schürfwunde ====== Ein Piercingkanal unterscheidet sich von einer oberflächlichen Hautverletzung. Er ist: * dreidimensional, * durch Gewebe führend, * mit einem Fremdkörper versehen, * mechanischen Belastungen ausgesetzt. Eine oberflächlich aufgetragene Gelzubereitung erreicht deshalb nicht automatisch alle Bereiche eines entzündeten Piercingkanals. Daraus folgt: **Eine tiefe Piercinginfektion sollte nicht allein mit Tyrosur behandelt werden.** ===== Tyrosur und Wundsekret ====== Tyrosur Wundheilgel ist für: **wenig nässende Wunden** vorgesehen. Bei einem stark: * nässenden, * eiternden, * tief entzündeten Piercing muss deshalb geprüft werden, ob eine reine lokale Gelbehandlung überhaupt passend ist. Bei starker Sekret- oder Eiterbildung kann eine medizinische Untersuchung erforderlich sein. ===== Tyrosur-Gel kann Rückstände hinterlassen ====== Bei der Anwendung von Tyrosur Wundheilgel an einem Piercing muss eine praktische Besonderheit berücksichtigt werden. Das Gel kann sich auf: * Schmuck, * Haut, * unmittelbaren Bereich des Stichkanals verteilen. Wenn größere Mengen wiederholt aufgetragen und ältere Rückstände nicht entfernt werden, können sich zunehmend sichtbare Ablagerungen bilden. ===== Was kann sich an Tyrosur-Rückständen anlagern? ====== An feuchten, klebrigen oder eingetrockneten Gelresten können sich zusätzlich ansammeln: * Wundsekret, * Hautschuppen, * Talg, * Haare, * Staub, * Textilfasern, * andere organische Rückstände. Auch Mikroorganismen können grundsätzlich auf solchen verunreinigten Oberflächen vorhanden sein. Dadurch kann im Laufe der Zeit eine zunehmend kompakte Ablagerung auf: * Schmuck, * Kugeln, * Aufsätzen, * Gewindebereichen, * Hautoberflächen entstehen. ===== Alte Gelreste nicht immer wieder überdecken ====== Tyrosur sollte nicht nach dem Prinzip angewendet werden: **neues Gel immer wieder auf alte eingetrocknete Rückstände auftragen.** Dadurch können mehrere Schichten entstehen aus: * Tyrosur-Rückständen, * Wundsekret, * Hautschuppen, * Talg, * Staub, * Fremdpartikeln. Solche Ablagerungen können: * die Beurteilung der Haut erschweren, * mechanisch reizen, * Feuchtigkeit zurückhalten, * die Reinigung erschweren, * eine mikrobielle Belastung der Oberfläche begünstigen. ===== Werden Tyrosur-Rückstände automatisch infektiös? ====== Nein. Die Ablagerung selbst ist nicht automatisch eine Infektion. Es wäre deshalb falsch zu behaupten: **„Eingetrocknetes Tyrosur verursacht eine Infektion.“** Fachlich korrekt ist: Eine zunehmend verunreinigte Ablagerung kann organisches Material und Mikroorganismen enthalten. Dadurch kann eine hygienisch problematische Oberfläche entstehen. Bei einem heilenden oder bereits gereizten Piercing können solche Ablagerungen zusätzlich: * Reizung, * Feuchtigkeitsansammlung, * Kontamination, * mechanische Belastung begünstigen. ===== Ablagerungen auf dem Schmuck ====== Gerade an Piercingschmuck können sich Gelreste in Bereichen sammeln, die leicht übersehen werden. Dazu gehören beispielsweise: * unter Kugeln, * unter Aufsätzen, * an Übergängen zwischen Schmuck und Haut, * an Gewinden, * an Vertiefungen oder beschädigten Oberflächen. Diese Bereiche sollten bei längerer Anwendung regelmäßig kontrolliert werden. ===== Reinigung vor erneutem Auftragen ====== Vor einer erneuten Anwendung sollte geprüft werden, ob noch größere alte Rückstände vorhanden sind. Fest anhaftende Ablagerungen sollten nicht trocken abgekratzt werden. Sie können zunächst mit: **steriler NaCl-0,9-%-Lösung** angefeuchtet beziehungsweise aufgeweicht werden. Danach können gelöste oberflächliche Rückstände vorsichtig entfernt werden. Siehe: [[produkte:nacl|Sterile Kochsalzlösung NaCl 0,9 % bei Piercings]] [[pflege:reinigung|Piercing richtig reinigen]] ===== Keine aggressive Reinigung ====== Die Entfernung von Gelresten darf nicht dazu führen, dass: * der Schmuck ständig bewegt, * der Schmuck gedreht, * der Stichkanal ausgekratzt, * fest haftendes Material gewaltsam entfernt wird. Das empfindliche Heilungsgewebe sollte möglichst wenig mechanisch belastet werden. ===== Praktische Anwendung ====== Bei der Verwendung von Tyrosur an einem Piercing sollte deshalb auf eine saubere und sparsame Anwendung geachtet werden: * nur die benötigte Menge verwenden, * alte grobe Ablagerungen nicht dauerhaft belassen, * Schmuckoberflächen kontrollieren, * Rückstände vor erneutem starken Schichtaufbau vorsichtig entfernen. Damit soll verhindert werden, dass sich über mehrere Tage eine kompakte Mischung aus: **Gel + Wundsekret + Hautschuppen + Fremdpartikeln** am Piercing aufbaut. ===== Tyrosur nicht tief in den Piercingkanal einbringen ====== Tyrosur sollte nicht mit: * Spritze, * Kanüle, * Applikator gezielt tief in einen Piercingkanal eingebracht werden. Das Arzneimittel ist zur lokalen Anwendung auf der Haut vorgesehen. Eine oberflächliche Anwendung ist etwas anderes als das gezielte Einbringen in tieferes Gewebe. ===== Tyrosur ersetzt keine Reinigung ====== Tyrosur ersetzt nicht die mechanische Entfernung von: * Krusten, * Wundsekret, * Ablagerungen, * Verklebungen. Wenn ein Piercing stark verkrustet oder verklebt ist, kann sterile NaCl-0,9-%-Lösung zur mechanischen Reinigung sinnvoll sein. Siehe: [[produkte:nacl|Sterile Kochsalzlösung NaCl 0,9 % bei Piercings]] [[pflege:reinigung|Piercing richtig reinigen]] ===== Tyrosur behandelt keine mechanischen Ursachen ====== Eine entzündlich wirkende Reaktion an einem Piercing kann auch durch mechanische Belastung verursacht werden. Tyrosur behebt nicht: * zu kurzen Schmuck, * zu langen Schmuck mit übermäßiger Bewegung, * falschen Winkel, * Druck, * Reibung, * Hängenbleiben, * Schlafen auf dem Piercing, * ungeeignetes Schmuckmaterial, * beschädigte Schmuckoberflächen. Eine mechanische Ursache muss unabhängig von einer möglichen bakteriellen Behandlung beseitigt werden. Siehe: [[probleme:reizung|Reizung und mechanische Belastung]] [[schmuck:winkelspannung|Winkel, Spannung und mechanische Belastung]] ===== Tyrosur nicht vorbeugend anwenden ====== Tyrosur sollte nicht routinemäßig auf jedes frisch gestochene Piercing aufgetragen werden. Ein frisches Piercing ist nicht automatisch bakteriell infiziert. Normale Heilungsreaktionen können sein: * leichte Rötung, * leichte Schwellung, * Druckempfindlichkeit, * geringe Nachblutung, * Wundsekret, * Krustenbildung. Diese Erscheinungen allein sind keine Indikation für Tyrosur. ===== Wenn Tyrosur nicht wirkt ====== Eine fehlende Besserung kann unterschiedliche Ursachen haben. Zum Beispiel: * falscher Erreger, * gramnegativer Erreger, * nicht Tyrothricin-empfindlicher Erreger, * tiefe Infektion, * Abszess, * Fremdkörperproblem, * mechanische Reizung, * ungeeigneter Schmuck, * keine bakterielle Ursache. Dann sollte nicht einfach immer mehr Tyrosur aufgetragen werden. Stattdessen muss die Ursache überprüft werden. ===== Abstrich und Antibiogramm ====== Bei: * ausgeprägten, * wiederkehrenden, * therapieresistenten bakteriellen Infektionen kann eine mikrobiologische Diagnostik sinnvoll sein. Dazu können gehören: * Abstrich, * Kultur, * Erregerbestimmung, * Antibiogramm. Damit kann festgestellt werden: * welcher Erreger vorliegt, * welche antimikrobielle Therapie geeignet sein könnte. Mehr dazu: [[produkte:abstrich_antibiogramm|Abstrich, Kultur und Antibiogramm]] ===== Tyrosur und Abszess ====== Ein Abszess ist eine abgekapselte Eiteransammlung im Gewebe. Ein äußerlich aufgetragenes Gel kann einen Abszess nicht zuverlässig behandeln. Bei einem Abszess können erforderlich sein: * ärztliche Untersuchung, * Entlastung beziehungsweise Drainage, * mikrobiologische Diagnostik, * gegebenenfalls systemische Antibiotikatherapie. Siehe: [[probleme:abszess|Abszess am Piercing]] ===== Tyrosur bei Knorpelpiercings ====== Bei einem stark entzündeten Knorpelpiercing sollte besonders vorsichtig vorgegangen werden. Warnzeichen sind beispielsweise: * zunehmende starke Schmerzen, * starke Schwellung, * Überwärmung, * deutliche Eiterbildung, * Veränderung der Ohrform, * Fieber. Hier besteht unter anderem die Gefahr einer: **Perichondritis.** Eine solche Situation sollte nicht allein mit Tyrosur behandelt werden. Siehe: [[probleme:perichondritis|Perichondritis]] ===== Tyrosur und andere Antiseptika ====== Tyrosur sollte nicht ohne konkreten Grund gleichzeitig mit mehreren weiteren antimikrobiellen Produkten kombiniert werden. Zum Beispiel nicht routinemäßig: * Tyrosur + Octenisept, * Tyrosur + Prontolind, * Tyrosur + Betaisodona, * Tyrosur + Chlorhexidin. Eine Kombination kann in einer konkreten medizinischen Situation sinnvoll sein. Sie sollte aber nicht eigenständig nach dem Prinzip erfolgen: **„Je mehr antimikrobielle Produkte, desto besser.“** Siehe: [[produkte:wechselwirkungen|Pflegeprodukte miteinander kombinieren?]] ===== Tyrosur und Schleimhäute ====== Tyrosur Wundheilgel ist zur Anwendung auf der Haut vorgesehen. Es sollte deshalb nicht automatisch auf: * Mundschleimhaut, * Zunge, * innere Lippenbereiche, * andere Schleimhäute übertragen werden. Für Oralpiercings stehen speziell für die Mundhöhle vorgesehene antiseptische Produkte zur Verfügung. Siehe: [[produkte:octenident|Octenident bei Oralpiercings]] [[produkte:chlorhexamed|Chlorhexamed und Chlorhexidin]] ===== Allergische oder irritative Reaktionen ====== Tyrosur darf nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen: * Tyrothricin, * oder einen sonstigen Bestandteil besteht. Bei neu auftretender: * starker Rötung, * Schwellung, * Juckreiz, * Hautreaktion nach der Anwendung sollte auch eine Unverträglichkeit berücksichtigt werden. ===== Schnellübersicht ====== ^ Aussage ^ Einordnung ^ | Tyrosur ist ein Arzneimittel | ja | | Wirkstoff | Tyrothricin 1 mg/g | | offizielle Indikation verwendet den Begriff „bakterielle Superinfektion“ | ja | | Superinfektion bedeutet automatisch schwere Infektion | nein | | gemeint ist eine zusätzlich bakteriell infizierte bestehende Wunde | ja | | antibakterielle Hauptwirkung | vor allem gegen grampositive Bakterien | | wirkt gegen jede gramnegative Piercinginfektion | nein | | geeignet für jede Piercinginfektion | nein | | für normale frische Piercings routinemäßig sinnvoll | nein | | für kleinflächige oberflächliche bakterielle Infektionen vorgesehen | ja | | für stark nässende tiefe Wunden vorgesehen | nein | | kann Rückstände auf Schmuck und Haut hinterlassen | ja | | alte Gelreste ständig überdecken | ungünstig | | Gelreste sind automatisch infektiös | nein | | verunreinigte Ablagerungen können mikrobielle Belastung begünstigen | ja | | tief in den Piercingkanal einbringen | nein | | behandelt mechanische Ursachen | nein | | behandelt Abszesse zuverlässig allein | nein | | bei fehlender Besserung Ursache überprüfen | ja | | bei starken Infektionszeichen medizinisch abklären | ja | ===== Wann kann Tyrosur grundsätzlich passen? ====== Tyrosur kann grundsätzlich zu einer Situation passen, wenn eine: * kleinflächige, * oberflächliche, * wenig nässende, * bakterielle Infektion durch einen Tyrothricin-empfindlichen Erreger vorliegt. Bei Piercings muss zusätzlich beurteilt werden: * wie tief die Entzündung reicht, * welche Körperregion betroffen ist, * welcher Erreger wahrscheinlich ist, * ob ein Abszess vorliegt, * ob mechanische Ursachen bestehen. ===== Wann ist Tyrosur nicht ausreichend? ====== Tyrosur ist nicht als alleinige Behandlung geeignet bei: * tiefer Piercinginfektion, * Abszess, * ausgeprägter Perichondritis, * fortschreitender Gewebeschädigung, * systemischen Infektionszeichen, * stark entzündetem Knorpelpiercing. Hier muss die Situation medizinisch beurteilt werden. ===== Der wichtigste Grundsatz ====== Tyrosur Wundheilgel ist kein normales Aftercare-Produkt. Es ist ein lokal antibakteriell wirkendes Arzneimittel mit: **Tyrothricin** als Wirkstoff. Der offizielle Fachbegriff: **bakterielle Superinfektion** beschreibt dabei lediglich, dass sich eine bereits vorhandene Wunde zusätzlich bakteriell infiziert hat. Er bedeutet nicht automatisch eine besonders schwere Infektion. Die antibakterielle Hauptwirkung von Tyrothricin richtet sich vor allem gegen: **grampositive, Tyrothricin-empfindliche Bakterien.** Bei Piercings muss deshalb immer berücksichtigt werden: **Nicht jeder relevante Erreger wird durch Tyrothricin ausreichend erfasst.** Zusätzlich sollte verhindert werden, dass sich durch wiederholtes Auftragen größere Schichten aus: **Tyrosur-Gel + Wundsekret + Hautschuppen + Staub + anderen Fremdpartikeln** auf Schmuck und Haut ansammeln. Solche Rückstände sind nicht automatisch infektiös, können jedoch eine hygienisch ungünstige, schwer zu reinigende und mikrobiell belastete Oberfläche begünstigen. Bei fehlender Besserung sollte deshalb nicht einfach mehr Tyrosur verwendet werden. Stattdessen müssen: * Erreger, * Infektionstiefe, * mechanische Ursachen, * Schmuck, * gegebenenfalls notwendige medizinische Behandlung neu beurteilt werden. ---- ===== Weiterführende Seiten ====== * [[produkte:start|Aftercare-Produkte bei Piercings]] * [[produkte:antibiotika|Antibiotika bei Piercinginfektionen]] * [[produkte:antibiotika_erreger|Antibiotika und Erregerspektrum]] * [[produkte:antibiotika_knorpel|Antibiotika bei Knorpelpiercing-Infektionen]] * [[produkte:abstrich_antibiogramm|Abstrich, Kultur und Antibiogramm]] * [[produkte:antibiotika_keine_besserung|Antibiotika – was tun, wenn keine Besserung eintritt?]] * [[probleme:infektion|Infektion am Piercing]] * [[probleme:abszess|Abszess am Piercing]] * [[probleme:perichondritis|Perichondritis]] * [[knorpel:pseudomonas|Pseudomonas bei Knorpelpiercings]] * [[produkte:nacl|Sterile Kochsalzlösung NaCl 0,9 % bei Piercings]] * [[pflege:reinigung|Piercing richtig reinigen]] * [[hilfe:warnzeichen|Warnzeichen – wann ärztlich abklären?]] [[produkte:start|← Zurück zu den Aftercare-Produkten]]